Die Agrar und Holzwirtschaft bietet beste Aufstiegschancen
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„Die Agrar- und Holzwirtschaft bietet beste Aufstiegschancen“

Prof. Dr. Hubert Speth stellt die beiden dualen Studiengänge Branchenhandel Holz und Agrar vor und erläutert in welchen Bereichen Fachkräfte sehr gefragt sind.

Prof. Dr. Hubert Speth stellt die beiden dualen Studiengänge Branchenhandel Holz und Agrar vor und erläutert in welchen Bereichen Fachkräfte sehr gefragt sind.

21.05.2015

JOBVERDE.de: Herr Prof. Dr. Speth, die Duale Hochschule Baden-Württemberg Mos­bach bietet u. a. die beiden dualen grünen Studiengänge „Branchenhandel Holz“ und „Branchenhandel Agrar“ an. Was darf man sich darunter vorstellen?

PR. DR. HUBERT SPETH: Den dualen BWL-Studiengang Holzwirtschaft gibt es bei uns an der DHBW Mosbach bzw. früheren Berufsakademie Mosbach bereits seit über 30 Jahren. Den Agrarstudiengang hingegen haben wir erst vor etwa 3 Jahren ins Leben gerufen. Es ging uns dabei nicht darum, in Konkurrenz zu den traditionellen Forst- bzw. Agraruniversitäten zu treten - wir bilden bewusst keine Forst- bzw. Agraringenieure aus. Allerdings erleben wir, dass den Absolventen dieser Studiengänge ganz oft grundlegende betriebswirtschaftliche Kennt­nisse fehlen. Genau diese Lücke wollen wir mit unseren beiden Studienangeboten füllen. Da­her bilden wir bei unseren Studiengängen Betriebswirte aus, denen neben rund 70% betriebs­wirtschaftlichen Inhalten, zu etwa 30% Grundlagenwissen aus den jeweiligen Branchen Holz bzw. Agrar vermittelt werden. Das Ziel ist, dass unsere Absolventen später fachlich dazu in der Lage sind, innerhalb ihrer Branchen, betriebswirtschaftliche Verantwortung in Bereichen wie Vertrieb, Einkauf, Logistik, Personalführung, Rechnungswesen, Controlling bis hin zur Unternehmensführung zu übernehmen;
 
In welchen Berufen können die Absolventen anschließend arbeiten?

Der große Unterschied unserer Studiengänge zu vergleichbaren Angeboten anderer Hoch­schulen liegt in der Dualität sowohl unserer Studierenden wie auch unserer Dozenten begrün­det. Das bedeutet konkret, dass sich die Studieninteressenten vor Studienbeginn bei unseren dualen Ausbildungspartnern (den Unternehmen der jeweiligen Branchen) bewerben und diese sie dann für 3 Jahre zu uns zum Studium entsenden. Durch diese Vorauswahl bekommen wir von Anfang an bereits Studierende mit hoher Motivation und einem relativ hohen Bildungsni­veau. Durch das Studienkonzept mit jeweils 3-monatigem Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphasen bedingt, können die Studierenden ihr an der Hochschule erworbenes Theorie­wissen immer gleich in der Praxis anwenden bzw. umsetzen. Darüber hinaus schreiben Stu­dierende bei uns insgesamt drei größere Arbeiten (2 Projektarbeiten und 1 Bachelorarbeit) bei der sie sich direkt und intensiv mit praktischen Problemen ihres Ausbildungsunternehmens auseinandersetzen müssen. Dieses von den Akkreditierungsstellen als Intensivstudium aner­kannte System führt daher auch beim Bachelorabschluss zu insgesamt 210 ECTS-Punkten im Gegensatz zu 180 ECTS-Punkten an vergleichbaren Institutionen.
Auch unsere Professoren benötigen mindestens 5 Jahre einschlägige Branchenerfahrung, um einen Ruf an unsere Hochschule zu erhalten und ein Großteil unserer externen nebenamtli­chen Dozenten begleiten in ihrem Hauptberuf leitende Positionen innerhalb ihrer jeweiligen Branche - darunter Vorstände, Geschäftsführer, Inhaber, Prokuristen, Abteilungsleiter sowie sonstige Führungspersönlichkeiten namhafter und renommierter Unternehmen. Durch dieses System wird gewährleistet, dass das von uns vermittelte Wissen dauerhaft anwendungsorien­tiert und zeitgemäß bleibt und wir nicht Inhalte vermitteln, die im beruflichen Kontext nicht mehr aktuell oder praxisrelevant sind.
All diese aufgezählten Gründe führen letztendlich dazu, dass die Studierenden derart praxis­orientiert ausgebildet werden, dass sie bereits frühzeitig Verantwortung in ihren Unternehmen übernehmen können, was letztendlich auch zu einer Übernahmequote unserer Studierenden von weit über 80% führt. Auch die wenigen Studierenden, die nicht im Unternehmen verblei­ben, finden erfahrungsgemäß relativ schnell Anstellungen bei anderen Firmen, da der Markt betriebswirtschaftliche Absolventen mit Branchenkenntnissen dringend benötigt. Eine bun­desweit angelegte Studie hat gezeigt, dass unsere Absolventen im späteren Berufsleben viel schneller und erfolgreicher Karriere machen als Absolventen vergleichbarer nicht-dualer Stu­diengänge;
 
Wissen Sie, mit welcher Motivation sich Ihre Studierenden für einen grünen Studien­gang entscheiden?

Viele unserer Studierenden aus den genannten Studiengängen besitzen entweder einen famili­ären Hintergrund innerhalb der Branche oder haben aufgrund einer Ausbildung einen engen Bezug dazu, indem sie z.B. einem landwirtschaftlich geprägten Elternhaus entstammen, oder vor ihrem Studium eine Schreiner- oder Zimmererausbildung absolviert haben. Man merkt auch immer wieder, dass gerade diejenigen, die sich für einen unserer Branchenstudiengänge entscheiden, häufig viel engagierter sind als Studierende anderer Bereiche. Der Grund mag darin liegen, dass sie sich mit der Branche frühzeitig in ihrem Leben identifizieren konnten und daher häufig motivierter und viel interessierter bei der Sache sind.
 
Vor welchen Herausforderungen steht die deutsche Agrar- und Holzwirtschaft aktuell?

Neben den bekannten Themen "Globalisierung" einerseits und "Höfesterben" andererseits aus der Agrarbranche sowie dem prognostizierten Rohstoffmangel in der Holzbranche, stellt aus unserer Sicht vor allem das Thema "Fachkräftemangel" die größte Herausforderung für beide Branchen da. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird es für unsere Ausbildungsun­ternehmen zunehmend schwieriger, geeigneten qualifizierten Nachwuchs zu finden. Dazu kommt leider noch, dass unsere Branchen nicht wirklich immer attraktiv für junge Studienin­teressenten sind, bzw. sich manchmal auch nicht attraktiv genug den jungen Menschen prä­sentieren. Können z.B. Ausbildungspartner unseres Studiengangs "Internationaler Handel" jede ausgeschriebene Stelle gleich mehrfach mit Bewerbern besetzen, haben unsere Holz- und Agrarfirmen häufig Schwierigkeiten, qualifizierte Bewerber zu finden. Dies ist sehr schade, weil die Aufstiegschancen für Mitarbeiter mittelständischer Unternehmen aus diesen Bran­chen häufig wesentlich besser sind, als z.B. in Großkonzernen;
 
Kennen Sie die wichtigsten Bedürfnisse und Anforderungen seitens der Unternehmen in diesem Segment?

Man kann es vielleicht so ausdrücken, die idealen Studienbewerber sollten in ihrer Region verwurzelt und gleichzeitig in der Welt zu Hause sein. Unternehmen stellen häufig Studieren­de aus ihrer jeweiligen Heimatregion ein, weil gerade diese traditionell orientierten Firmen darauf bauen, loyale Mitarbeiter langfristig an sich zu binden, um mit ihnen gemeinsam am Projekt "Unternehmensentwicklung" arbeiten zu können. Dem kommt unser Studienkonzept sehr entgegen, da junge Menschen aus ganz Deutschland zu uns nach Mosbach zum Studieren kommen (wir haben Studierende von Kiel über Kassel bis Passau, von Aachen bis nach Dres­den an unserer Hochschule) und die praktische Ausbildung dann bei ihren jeweiligen Ausbil­dungspartnern zu Hause vor Ort stattfindet. Dadurch entsteht nicht die Gefahr des sogenann­ten Braindrains, sodass die jungen Menschen zum Studieren in die Großstädte ziehen und an­schließend nicht wieder in ihre Heimatregion zurückkommen und somit diesen Regionen die Talente und das Know-how verloren geht.
Neben den notwendigen formalen Zugangsvoraussetzungen wie Abitur oder Fachhochschul­reife mit Zulassungsprüfung, zählen für unser Partnerunternehmen vor allem Attribute wie ernsthaftes Interesse an und Auseinandersetzung mit dem Unternehmen bzw. dem jeweiligen Produkt, eine glaubwürdige Motivation und vor allem authentisches Auftreten der jungen Menschen bei der Bewerbung um den jeweiligen Studienplatz;
 
Welche Rolle wird die deutsche Agrar- und Holzwirtschaft in den kommenden 10 Jah­ren einnehmen? Wo sehen Sie das größte Potenzial?

Das ist eine sehr schwierige Frage, denn die Herausforderungen nehmen in allen Bereichen stetig zu. Ob wir auch nur einen Teil dieser Herausforderungen schaffen können, hängt nach meinem Dafürhalten vor allem davon ab, ob wir in Zukunft die angesprochene Problematik des Fachkräftemangels in den Griff bekommen. Wie wollen wir es schaffen, auf internationa­ler Ebene mit weltweit agierenden Großkonzernen Schritt halten zu können, wenn wir nicht genügend gut ausgebildetes Personal rekrutieren können? Einige Ausbildungspartner aus an­deren Branchen sind da auch oft schon einen Schritt weiter. Sie holen sich zunehmend moti­vierte und qualifizierte junge Mitarbeiter aus dem Ausland und entsenden sie zu uns nach Mosbach zum Studium. Nach dem Studium gehen sie dann wieder zurück in ihre Heimatlän­der und übernehmen dort für ihre Arbeitgeber nach kurzer Einarbeitungszeit häufig verant­wortungsvolle Leitungspositionen. Daher die Antwort auf Ihre Frage - genau in diesem Be­reich der Ausbildung qualifizierter Mitarbeiter sehe ich in Zukunft das größte Potenzial aber auch die größte Herausforderungen für unsere Branchen!

 
Ihr Nachhaltigkeitsleitspruch lautet?

Ich habe jetzt ad hoc keinen fertigen Wahlspruch für Sie parat, da ich aber selbst studierter Forstökonom bin, liegt mir das Thema Nachhaltigkeit naturgemäß sehr am Herzen. Aus die­sem Grund habe ich in mein Studienkonzept ein "Nachhaltigkeitsseminar" als großes Studien­abschlussprojekt integriert. Gerade vor kurzem hatten wir die Ehre, mit Prof. Dr. Erich Zahn einen Mitbegründer des Club of Rome an unserer Hochschule in Mosbach begrüßen zu dür­fen, der im Rahmen des erwähnten Seminars zum Thema "Nachhaltigkeit aus heutiger Sicht" einen spannenden Vortrag gehalten hat. Wissen Sie, ein großer Traum von mir wäre, wenn wir es mit diesem Nachhaltigkeitsseminar schaffen würden, dass jeder teilnehmende Studie­renden zukünftig nur eine einzige Entscheidung pro Tag nachhaltiger trifft als zuvor. Dies kann entweder im privaten Bereich sein z.B. durch den Verzicht auf das Auto beim morgend­lichen Weg zum Arbeitsplatz oder noch besser im beruflichen Kontext, wenn sie/er zukünftig darauf achtet, dass die Produkte eben nicht mehr aus illegalem Holzeinschlag in Sibirien oder durch Ausbeutung von Menschen in Südostasien eingekauft werden. Bei aktuell knapp 50 Studierenden in diesem Semester, wären dies rund 18.000 nachhaltige Entscheidungen mehr pro Jahr. Wie gesagt, dies ist zwar nur ein Traum, aber auch nur die Hälfte davon würde mich schon sehr glücklich machen!

Vielen Dank!
Sehr gerne - ich danke Ihnen recht herzlich!



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