Die Gestaltung des demografischen Wandels ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben
Personalexperten

Die Gestaltung des demografischen Wandels ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben

Ein Interview mit Dr. Robin Mishra, Pressesprecher der Ministerin / Leiter des Pressereferates.

Ein Interview mit Dr. Robin Mishra, Pressesprecher der Ministerin / Leiter des Pressereferates.

01.04.2015

JOBVERDE.de: Herr Dr. Mishra, zunächst einmal etwas Persönliches: Wie war Ihr erster Arbeitstag im Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF?

DR. ROBIN MISHRA: Wie viele andere ging es für mich am ersten Tag darum, den Computer zum Laufen zu bringen, viele Hände zu schütteln und mich vorzustellen. Ich erinnere mich gerne daran, dass ich als „Quereinsteiger“, nämlich als ehemaliger Journalist, mit Neugier und Offenheit empfangen wurde.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist für die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung zuständig. Wie darf man sich das konkret vorstellen?

Ziel des BMBF ist es, Menschen zu möglichst guten Bildungschancen zu verhelfen. Dies tun wir durch verschiedene Pakte und Initiativen innerhalb eines föderalen Systems, in dem die Länder die Hauptverantwortung für Schulen und Hochschulen tragen. Bei Wissenschaft und Forschung tragen wir dazu bei, dass Deutschland Weltspitze istund bleibt. Mit unserer Hightech-Strategie fördern wir in verschiedensten Formaten, dass aus Ideen Innovationen und damit letztlich neue Arbeitsplätze werden. Seit 2005 hat sich der Etat des BMBF nahezu verdoppelt. Das zeigt, welch hohe Bedeutung Bildung und Forschung für die Bundesregierung haben.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell am meisten und weshalb?

In der Forschung müssen wir nicht nur erfinderisch, sondern auch schnell sein. Das Rennen um neue Technologien, zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung, der Energieforschung oder der Gesundheitsforschung, ist in vollem Gange. Ein wichtiges Augenmerk gilt der Stärkung der Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen, die immer attraktiver und internationaler werden, deshalb aber auch gute und verlässliche Bedingungen bekommen müssen. Ein entscheidendes Thema ist Bildungs- und Chancengerechtigkeit: Mehr Durchlässigkeit, Stärkung der dualen Ausbildung, Förderung von Zuwanderern – das sind nur einige der Herausforderungen. 

Was kann ein Unternehmen machen, um sich optimal auf den demografischen Wandel einzustellen und ist die komplette Unternehmerlandschaft hiervon betroffen?

Die Gestaltung des demografischen Wandels ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben. Das BMBF hat 2013 einen hauseigenen Demografie-Bericht erarbeitet, der einen Überblick zum Beispiel über Altersstruktur oder Geschlechterverteilung gibt und so die Basis für eine vorausschauende Personalpolitik bildet. Dazu gehören Personalentwicklung, Weiterbildung und Gesundheitsmanagement. Wir sind überzeugt: DieLeistungsfähigkeit eines Arbeitgebers lässt sich nur erhalten, wenn er für Fachkräfte und qualifizierte Nachwuchskräfte attraktiv bleibt und gleichzeitig die Potenziale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimal nutzt – dies gilt für Unternehmen der Privatwirtschaft ebenso wie für den öffentlichen Dienst.

Was bedeutet das Thema Work-Life-Balance für Sie?

Auch wenn das bei einem Pressesprecher leichter gesagt als getan ist: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt für mich persönlich eine große Rolle. Das BMBF unterstützt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf vielen Wegen, Arbeits- und Privatleben in einen guten Einklang zu bringen. Es existiert ein umfangreiches Angebot an flexiblen Arbeitszeitmodellen, zum Beispiel Teilzeit, mobile Arbeit oder Tele-Arbeit. Damit ist die Botschaft verbunden, dass es auf gute Arbeitsergebnisse ankommt. Es gilt also nicht automatisch der am meisten, der am längsten im Ministerium ausharrt und abends als letzter das Licht ausmacht.

Was kann das BMBF zur Gleichberechtigung der Frauen im Berufsleben beitragen?

Das BMBF gehört inzwischen zu den führenden Ressorts beim Frauenanteil in Führungspositionen. So sind bei uns derzeit 47 Prozent der Referatsleitungen mit weiblichen Führungskräften besetzt. Uns ist es wichtig, dass unabhängig vom Geschlecht jeweils die Personen Funktionen übernehmen, die qualifiziert und am besten dafür geeignet sind. Dazu treten – wie schon beschrieben – vielfältige Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Teilzeit und Job-Sharing-Angebote gibt es im BMBF auch für Führungsaufgaben. Darüber hinaus existiert im BMBF ein eigenes Referat für Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung. Wir leben also nicht nur die Gleichberechtigung, sondern setzen uns auch politisch für Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung ein.

Welche (freiwilligen) Sozialleistungen und Mitarbeiter-Benefits steigern sowohl die Mitarbeiterzufriedenheit als auch die Produktivität der Unternehmen?

Im BMBF setzen wir auf eine angenehmen Arbeitsatmosphäre und eine Stärkung des Miteinanders im Haus. So haben wir eine Betriebssportgruppe und eigene Sporträume an beiden Standorten. Ein wichtiger Akzent ist unser betriebliches Gesundheitsmanagement, das von der Rückenschule über die Grippeschutzimpfung bis hin zur Wiedereingliederung nach schweren Erkrankungen reicht. Auch für die Integration der neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun wir eine Menge – von der Fortbildung bis zum Mentoring. Ein Ideenmanagement eröffnet allen Beschäftigten die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge zu machen; gute Ideen werden prämiert. Mit dem Instrument der jährlichen Leistungsprämie werden darüber hinaus besondere Einzel- und Teamleistungen belohnt. So wollen wir die Voraussetzungen schaffen für ein produktives Arbeiten in einer angenehmen Atmosphäre.

Welche Rolle spielt Diversity-Management in deutschen Unternehmen aktuell und welche Rolle sollte es Ihrer Meinung nach spielen?

Diversity-Management wird eine immer wichtigere Rolle spielen. Durch den demografischen Wandel wird es noch wichtiger werden, Zuwanderer und im Erwerbsleben bisher unterrepräsentierte Gruppen als Fachkräfte zu gewinnen. Unsere Gesellschaft wird vielfältiger und bunter. Im BMBF arbeitet eine Vielzahl von Menschen unterschiedlicher Prägungen und Fachdisziplinen. Und wir sehen die Chance, komplexe Aufgaben besser zu lösen, wenn sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichenKenntnissen, Fähigkeiten, Sicht- und Herangehensweisen einbringen.

In welcher Weise unterstützt das BMBF Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen mit Familienverantwortung?

Das BMBF ist seit Mai 2009 als familienfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert. Wir versuchen unter anderem durch individuelle Arbeitszeitmodelle den Bedarf an kurzfristigenÜberbrückungssituationen oder längerfristigen Pflege- und Erziehungszeiten so weit wie möglich zu berücksichtigen. Darüber hinaus hat das BMBF im Neubau in Berlin eine kleine Kindertagesstätte eingerichtet. In Bonn stehen den Beschäftigten Belegplätze in einer Tagespflegestelle in der Nähe der Arbeit zur Verfügung. Aber nicht nur Beschäftigte mit Kindern, sondern auch solche mit pflegebedürftigen Angehörigen finden Unterstützung, zum Beispiel über die Notfallbetreuung der ElternService AWO GmbH.

Welche Trends im Personalbereich finden Sie besonders spannend?

Ich finde interessant, dass der öffentliche Dienst als Arbeitgeber für junge Menschen zunehmend attraktiv ist. Das hängt sicher auch mit einem Wertewandel zusammen, bei dem Sicherheit und ein ausgeglichenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit eine große Rolle spielen. Mit so genannten„Doppelspitzen“, bei denen sich zwei Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter die Verantwortung für eine Referatsleitung teilen, ist das BMBF da auf der Höhe der Zeit. Doch Sicherheit und Verlässlichkeit allein können diesen Zulauf nicht erklären und machen noch kein erfüllendes Arbeitsleben aus. Deshalb wird es für den öffentlichen Dienst immer wieder darauf ankommen zu beweisen: Bei uns wird Kreativität geschätzt - und Engagement belohnt.



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