Die Green Economy braucht Menschen, die mitdenken, mitwachsen und Wandel aktiv gestalten. Weiterbildung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Eine aktuelle repräsentative Studie der Haufe Akademie zeigt, unter welchen Bedingungen Lernmaßnahmen wirklich greifen – und wie Führungskräfte und Fachkräfte ihre jeweilige Realität wahrnehmen.
Worum geht es in der Studie?
Die Future Skills Studie 2026 wurde unter 458 Führungskräften und 606 Fachkräften im DACH-Raum erhoben. Sie beleuchtet, welche Kompetenzen von den Befragten als besonders zukunftsrelevant gesehen werden und wie sie den Kompetenzaufbau in ihrem Unternehmen bewerten. Dabei wurde besonders hervorgehoben, wo sich die Wahrnehmung von Führungskräften und Fachkräften deutlich voneinander unterscheidet.
Weiterbildung wirkt gerade in der Green Economy als Karrierehebel
Der Druck, Nachhaltigkeit in strategische Entscheidungen, operative Prozesse und unternehmerische Kultur einzubinden, verändert Berufsbilder grundlegend. Wer heute relevante Kompetenzen aufbaut, sichert sich morgen die besseren Jobchancen. Das gilt besonders im Nachhaltigkeitsbereich, denn die Beschäftigung in grünen Wirtschaftszweigen nimmt stetig zu. Unternehmen suchen händeringend nach qualifizierten Fachkräften, und mit dem Druck, ökologisch und sozial verantwortlich zu wirtschaften, wächst auch der Bedarf an Menschen, die diesen Wandel aktiv gestalten können.
Future Skills sind gefragt
Genau aus diesem Grund braucht es Menschen mit sogenannten Future Skills. Damit gemeint sind Kompetenzen, die in den nächsten fünf Jahren beruflich entscheidend sein werden – von digitalen Fähigkeiten wie KI-Kompetenz und Datenanalyse bis hin zu menschlichen Stärken wie kritisches Denken, Problemlösung und Führung. Der entscheidende Unterschied zu klassischem Fachwissen: Future Skills wirken bereichsübergreifend und bleiben auch dann relevant, wenn sich alles andere verändert.
Welche Kompetenzen als besonders wichtig eingestuft werden
Future Skills umfassen sowohl Soft- als auch Hard Skills. Laut der Studie der Haufe Akademie halten 88 % der Fachkräfte und 95 % der Führungskräfte Problemlösung und kritisches Denken für die zentralen Soft Skills der Zukunft. Bei den Hard Skills stehen digitale Grundkompetenzen (85 % bzw. 89 %) und Datenkompetenz (75 % bzw. 85 %) klar an der Spitze. KI-Kompetenzen werden immerhin von 72 % der Fachkräfte und 78 % der Führungskräfte als besonders relevante Hard Skills genannt.

Problemlösen gilt als wichtigster Soft Skill, digitale Grundkompetenz als wichtigster Hard Skill (© haufe-akademie.de)
Was in der Green Economy wirklich gefragt ist
Im Nachhaltigkeitsbereich kommt eine weitere Dimension hinzu: Wer in der Green Economy arbeiten möchte, braucht neben technischen und analytischen Fähigkeiten vor allem die Bereitschaft, bereichsübergreifend zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Sustainability Manager:innen sind gefragter denn je und sie verlangen genau jene Future Skills, die die Studie als zentral identifiziert: Kommunikation, Führungskompetenz, Datenkompetenz und die Fähigkeit, Veränderungsprozesse aktiv zu gestalten.
Woran Weiterbildungen in der Praxis scheitern können
So eindeutig der Bedarf an relevanten Kompetenzen auch ist, so unterschiedlich wird die Realität in den Unternehmen wahrgenommen.
So bewerten Führungskräfte den Kompetenzstand ihrer Teams durchweg optimistischer als die Fachkräfte selbst. Im Bereich Führung und Change-Management sehen 73 % der Führungskräfte ihre Teams gut aufgestellt, während nur 54 % der Fachkräfte diese Einschätzung teilen. Beim Thema KI-Vorbereitung fühlen sich nur 53 % der Fachkräfte gut gerüstet, während 66 % der Führungskräfte ihre Teams als vorbereitet einschätzen.
Eine solche Diskrepanz hat unmittelbare Folgen. Denn wer den Bedarf seiner Mitarbeitenden nicht kennt, plant Weiterbildungen an der Realität vorbei. Fachkräfte berichten, dass die Inhalte ihrer Weiterbildungen oft nicht zu ihren tatsächlichen Aufgaben passen (40 %) und es ihnen an Zeit mangelt, das Gelernte im Berufsalltag anzuwenden (38 %).

Fachkräfte stellen zunehmend höhere Anforderungen an die Praxisrelevanz von Weiterbildungen. (© haufe-akademie.de)
Was braucht es, damit Weiterbildungen nachhaltig wirken können?
Ob Weiterbildung wirkt, entscheidet sich nicht im Seminarraum, sondern im Arbeitsalltag. Wer Weiterbildungen plant, sollte deshalb von Anfang an mitdenken, wie das Gelernte konkret eingesetzt werden kann – ob durch neue Aufgaben, Projekte oder Verantwortungsbereiche. Führungskräfte, die offen über verfügbare Budgets, Förderangebote und Entwicklungsmöglichkeiten kommunizieren, schaffen die Grundvoraussetzung dafür, dass Mitarbeitende ihre Chancen überhaupt erkennen und nutzen können.
Auch Fachkräfte sind gefragt, ihre Weiterbildung eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Eigenverantwortung bedeutet hier, nicht auf den richtigen Moment oder das perfekte Angebot zu warten, sondern sich aktiv über das vorhandene Weiterbildungsbudget zu informieren, vorhandene Ressourcen konsequent abzurufen und die eigene Entwicklung selbstbestimmt zu planen. Wer merkt, dass Budgets unklar sind oder passende Angebote fehlen, sollte das Gespräch mit den verantwortlichen Führungskräften suchen.
Fazit: Nachhaltige Weiterbildung lebt vom offenen Dialog
Der vielleicht wichtigste Faktor für eine nachhaltige Weiterbildungskultur ist also der offene Dialog. Die Studie zeigt: Weiterbildung scheitert nicht an fehlendem Willen, sondern an mangelndem Austausch zwischen Führungs- und Fachkräften darüber, welche Entwicklungsmaßnahmen umgesetzt werden.
Für alle, die ihren Karriereweg in der Green Economy gestalten wollen, gilt das umso mehr. Future Skills sind dabei keine abstrakte Zukunftsvision, sondern die Grundlage für relevante und wirkungsvolle Arbeit – heute und in den nächsten Jahren.
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