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Innovative Arbeitgeber im Fokus

Einsatz für Tiere – wie der Deutsche Tierschutzbund arbeitet

INTERVIEW | Der Deutsche Tierschutzbund agiert als Tier- und Naturschutzorganisation. Stetig kommen neue Arbeitsfelder dazu, die wir unter die Lupe nehmen.

INTERVIEW | Der Deutsche Tierschutzbund agiert als Tier- und Naturschutzorganisation. Stetig kommen neue Arbeitsfelder dazu, die wir unter die Lupe nehmen.

17.07.2020 | Ein Interview geführt von Fenja Zingsheim

Tier- und Naturschutz waren noch nie so weit im gesellschaftlichen Interesse, wie heute. Zum Glück existiert dieser Trend! Für den Deutschen Tierschutzbund e.V. steht die Vision, sich für die Geschöpfe unserer Mitwelt einzusetzen, schon sehr lange im Fokus. Frau Schmitz, die Pressesprecherin, erläutert die vielseitige Arbeit und Geschichte dieses prägenden Vereins.

JOBVERDE: Der Deutsche Tierschutzbund hat eine lange Geschichte hinter sich. Beschreiben Sie uns diese doch einmal. Was sind die grundlegenden Leitlinien, nach denen Sie arbeiten?

Frau Schmitz: Der Deutsche Tierschutzbund wurde im Jahre 1881 als Dachorganisation der Tierschutzvereine und Tierheime in Deutschland gegründet. Heute sind ihm 16 Landesverbände und rund 740 örtliche Tierschutzvereine mit 550 vereinseigenen Tierheimen bzw. Auffangstationen angeschlossen. Er ist damit Europas größte Tier- und Natur­schutzdachorganisation und vertritt die Interessen von mehr als 800.000 Tierschützer*innen aus allen Teilen der Bundesrepublik. Unsere Vision ist eine Gesellschaft, die alle Tiere als Mitgeschöpfe achtet, ihnen Mitgefühl und Respekt entgegenbringt und sie vor Leiden, Schmerzen und Angst bewahrt; die auch freilebende Tiere als Individuen anerkennt und ihre natürlichen Lebensgrundlagen schützt. Alle Aktivitäten unsere sind darauf ausgerichtet, diese Vision umzusetzen.

Dies klingt nach sehr viel Organisation. Wie groß ist das engagierte Team des Deutschen Tierschutzbundes und wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit beschreiben?

Beim Deutschen Tierschutzbund arbeiten derzeit rund 140 Personen. Wir sind ein motiviertes Team, das sich gemeinsam für ideelle Ziele einsetzt. Die Zusammenarbeit untereinander ist recht eng, kollegial und wertschätzend. Letztlich geht es ja darum, die jeweiligen Fähigkeiten zum Wohle des Tierschutzes zu verknüpfen.

Welche Berufsbilder gibt es bei Ihnen?

Die Basis für unsere Forderungen und Aktivitäten zum Schutz der Tiere sind eigene Recherchen, Forschungsergebnisse sowie fachliche, wissenschaftliche Grundlagen. Dafür sind beim Deutschen Tierschutzbund Expert*innen in verschiedenen Fachreferaten verantwortlich: Tierärzt*innen, Biolog*innen und Agrarwissenschaftler*innen. Unsere Jurist*innen begleiten Rechtsetzungsverfahren mit dem Ziel, die rechtlichen Grundlagen für den Tierschutz zu verbessern - und sie nutzen Rechtsmittel, wo es angezeigt ist.  Unsere Politikwissenschaftler*innen halten den Kontakt mit Politik, Verwaltung und einschlägigen Verbänden, um für Tierschutz zu werben und ihn mit Unterstützung tierschutzfreundlicher Partner voranzubringen. Die Tierpfleger*innen in unseren Mustereinrichtungen, zum Beispiel im Tierschutzzentrum Weidefeld, kümmern sich tagtäglich um das Wohl der Tiere. Beim Tierschutzbund arbeiteten auch Kommunikationsexpert*innen, die dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit über Tierleid und über Wege, dieses zu verhindern, informiert wird. Da wir ein rein spendenbasierter Verein sind, braucht es Fundraising-Expert*innen, die um Spenden werben und den Kontakt mit unseren Förderern halten. Das pädagogisch ausgebildete Kolleg*innen in der Abteilung für Kinder- und Jugendtierschutz kümmern sich darum, dass auch dieser wichtige Bereich im Tierschutzbereich gefördert wird. Hinzu kommen Kolleg*innen u.a. in Verwaltung, Buchhaltung oder IT.

Wie viel aktiven Tierschutz betreiben Sie?

Wir leisten praktische Tierschutzarbeit vor Ort, etwa in unserem Tierschutzzentrum Weidefeld in Schleswig-Holstein. Das Zentrum ist Auffangstation für beschlagnahmte oder in Not geratene Haustiere. Auch zahlreiche verletzte bzw. verwaiste Wildtiere werden hier aufgenommen. Im dortigen Lissi Lüdemann-Haus werden hilfsbedürftige und problematische Hunde therapiert, um sie später an erfahrene Halter zu vermitteln. Da die Tierheime immer häufiger mit der Aufnahme exotischer Tiere kämpfen, haben wir 2016 eine Reptilienstation eingeweiht. Am 30. September 2019 sind zudem 3 Braun- und 2 Kragenbären aus dem Anholter Bärenwald nach Weidefeld gezogen. Für die fünf Pelze wurde ein neues, naturnahes und artgerechtes Bärengehege geschaffen.

Im bayerischen Rottenbuch betreibt der Tierschutzbund mit seinem Projektpartner, dem Verein SOS Projects für Mensch und Tier e.V., den „Sonnenhof“. Der Sonnenhof ist eine echte Rettungsinsel für ältere Hunde, die in vielen Tierheimen keine Chance mehr auf Vermittlung hätten. Ihren Bedürfnissen entsprechend leben sie hier in Gruppen in Blockhäusern mit jeweils einem eigenen, großzügigen Auslauf. Hier haben sie gute Aussichten, ein neues Zuhause zu finden – bei einem menschlichen Senior. Auch eine Welpen-Auffangstation ist hier in Planung.

In der Ukraine, in der Stadt Odessa, kämpft der Tierschutzbund seit 2000 dafür, den Teufelskreis im Leben der Straßentiere zu durchbrechen: Zuvor wurden die Tiere eingefangen und zu Tausenden getötet. Das ist dank unseres Projektes Vergangenheit. Heute bringen die städtischen Fänger streunende Hunde und Katzen in unser Tierschutzzentrum in Odessa, wo die Vierbeiner tierärztlich untersucht, geimpft und kastriert werden. Denn nur so lässt sich nachhaltig verhindern, dass sich die Tiere immer weiter vermehren. Mit großer Tierliebe kümmern sich die ukrainischen Mitarbeiter*innen dort um ihre Schützlinge. Die kranken Tiere dürfen in ihrer Obhut bleiben, die gesunden Tiere werden in ihre herkömmlichen Reviere entlassen. So ist der sinnlose Kreislauf der Vermehrung und Tötung gestoppt.

In all unseren Einrichtungen werden praxisnahe Lösungen zu aktuellen Tierschutzfragen entwickelt und eingesetzt. Die so gewonnenen Erkenntnisse kommen auch den uns angeschlossenen Tierschutzvereinen und anderen Tierschutzeinrichtungen zugute und leisten damit auch langfristig einen direkten Beitrag für die aktive Tierschutzarbeit.

Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt aber als Dachverband vor allem auch die aktive Tierschutzarbeit in seinen Mitgliedsvereinen und – tierheimen. Wir helfen mit Futterspenden, aber auch mit der Bereitstellung von Tierheimfahrzeugen und mit Geld aus verschiedene Hilfs-Fonds, etwa dem Bauhilfefonds oder dem Feuerwehrfonds für Notfälle. Wir helfen mit fachlicher Beratung und Unterstützung bei der Planung von Verbesserungsmaßnahmen im Tierheim und bei Neu- und Umbauplänen und mit  Hilfe bei medizinischen und fachlichen Fragen den Tierheimbetrieb betreffend. Unsere Rechtsabteilung steht bei rechtlichen Problemen zur Seite. Mit unserem Seminarangebot bieten wir den Tierheimmitarbeiter*innen ein umfangreiche Fortbildungsmöglichkeiten.

Welche Werte und Vorstellungen sollten Mitarbeiter*innen denn grundlegend für die Arbeit bei Ihnen mitbringen?

Aus unserer Sicht hat jedes Mitgeschöpf einen Anspruch auf Unversehrtheit und ein artgerechtes Leben. Wir wollen, dass dieser Anspruch für alle Tiere verwirklicht wird - in der Wirtschaft, der Forschung, im Privathaushalt und wo immer der Mensch mit Tieren Umgang hat. Diese Vorstellung und dieses Ziel sollten Mitarbeiter*innen im Deutschen Tierschutzbund teilen.

Sie haben die Vielseitigkeit der Arbeit schon beschrieben. Mit welchen Organisationen kooperieren Sie dabei?

Der Deutsche Tierschutzbund arbeitet auf nationaler und internationaler Ebene mit verschiedenen anderen Organisationen zusammen. Zum einen erfolgen solche Kooperationen punktuell, um ganz bestimmte Probleme anzugehen. Zum anderen arbeiten wir mit anderen Verbänden im Rahmen fester Bündnisse zusammen. Wir sind zum Beispiel im Bündnis „Meine Landwirtschaft“ vertreten und im Deutschen Naturschutzring. Auch aktiv sind wir in der Fur Free Alliance, einem weltweiten Bündnis, das sich gegen die Tötung von Pelztieren stark macht, und in der European Coalition to End Animal Experiments, welche Aktionen und Kampagnen gegen Tierversuche in der Kosmetik und gegen die Verwendung von Affen in Tierversuchen koordiniert. Eine Übersicht findet man hier.

Sie arbeiten auch mit Tierheimen im Ausland zusammen, inwieweit ist die internationale Arbeit Teil Ihres Alltags?

Die praktische Nothilfe für Tiere macht beim Deutschen Tierschutzbund nicht an den Landesgrenzen halt. In vielen Ländern Europas sind bereits kooperative Partner aktiv, die wir unterstützen. Nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" bieten wir Tierschützer*innen in Süd- und Osteuropa ideelle und finanzielle Unterstützung, z. B. bei Kastrationsaktionen, beim Aufbau von Tierheimen oder bei der Vermittlung von ausgesetzten Tieren. Wir helfen bei direkten Verhandlungen mit Botschaften und Politiker*innen. In begründeten Ausnahmefällen werden Hunde aus Südeuropa über Tierheime des Deutschen Tierschutzbundes in Deutschland in gute Hände vermittelt.

Für Interessierte- an welchen Orten sind Sie wie vertreten?

Die Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Tierschutzbundes befindet sich in Bonn. Sie ist die Verwaltungs- und Schaltzentrale unserer gemeinsamen Arbeit. Hier sind auch die Stiftung des Deutschen Tierschutzbundes, das Haustierregister FINDEFIX und das Tierschutzlabel "Für Mehr Tierschutz" angesiedelt. In Berlin unterhält der Verband ein Büro, das den Kontakt zu Funktions- und Mandatsträgern in Bundestag, Bundesrat und den Landesvertretungen hält. In der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg bei München setzen sich unsere Wissenschaftler*innen fundiert mit Tierschutzproblemen auseinander. Im Norden Deutschlands ist unser Tierschutzzentrum Weidefeld die größte Tierschutzeinrichtung und zugleich Auffangstation für beschlagnahmte Tiere.

 

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Bilder: Deutscher Tierschutzbund e.V.; M. Marten, www.tomasrodriguez.de & Andreas Brucker



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