Startups hierzulande sollten viel stärker unterstützt werden.
Innovative Arbeitgeber im Fokus

„Startups hierzulande sollten viel stärker unterstützt werden.“

Anne Martens, Personalleiterin beim jungen Finanzdienstleister Kreditech erläutert, welche Barrieren es bei der Beschäftigung ausländischer Fachkräfte und der Förderungen junger Startups aktuell noch gibt.

Anne Martens, Personalleiterin beim jungen Finanzdienstleister Kreditech erläutert, welche Barrieren es bei der Beschäftigung ausländischer Fachkräfte und der Förderungen junger Startups aktuell noch gibt.

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29.01.2015

JOBVERDE.de: Frau Martens, zunächst einmal etwas Persönliches: Wie war Ihr erster Arbeitstag bei der Kreditech Group?

ANNE MARTENS: In einem Wort: hochspannend. Der Onboarding-Prozess ist zu Beginn sehr intensiv. Genau das hilft, um schnell und effizient in alle Themen des Unternehmens zu kommen und alle relevanten Ansprechpartner kennen zu lernen. Gleichzeitig habe ich mir bereits einen Überblick in die Inhalte meiner Abteilung verschafft und mir sogar vor meinem offiziellen Start die Zeit genommen, alle Teammitglieder kennen zu lernen.

Wie würden Sie Ihr Arbeitsklima beschreiben?

Jeder hier will etwas voranbringen, verändern und Teil eines disruptiven Models sein - die Motivation ist inhaltlich genauso wie im Team-Spirit zu spüren. Kollegiales Verhalten und ein positives Miteinander sind bereits bei den Einstellungsgesprächen zu spüren. Im Arbeitsalltag und in der Praxis sieht es so aus, dass eine extrem lockere Grundstimmung herrscht. So kann man sich beim gemeinsamen Essen und bei Team-Veranstaltungen wie After-Work, Lasertag, Wakeboarding, etc. besser kennenlernen. Der Zusammenhalt ist nicht nur “for fun”, sondern trägt in der Tat zur Produktivität eines sehr effizienten Unternehmens bei.

Welche Karrierechancen findet ein Mitarbeiter bei Ihnen vor?

Kreditech-Mitarbeiter haben vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. So mancher ehemalige Praktikant ist heute im Management als SVP oder in einer C-Level Position tätig. Wer den Ehrgeiz hat, viel zu erreichen, kann bei Kreditech schnell vorankommen - egal, ob mit oder ohne 10 Jahre Berufserfahrung.  Teamleiter erhalten regelmäßig Schulungen zur Weiterentwicklung und arbeiten gemeinsam mit einem externen Coach an einer noch effizienteren Führung und der Weiterentwicklung der Persönlichkeit im Unternehmen. Außerdem erarbeiten wir momentan ein Intrapreneur in Residence Programm, das wir noch in Q1 2015 starten werden.

Vor welche Herausforderungen stellt Sie der demografische Wandel?

Als Jungunternehmen mit einem derzeitigen Durchschnittsalter von 29 Jahren betrifft uns das derzeit nicht akut. Unser Arbeitsfeld steckt noch in der Entwicklungsphase - das bedeutet, Mitarbeiter wachsen gemeinsam mit dem Unternehmen und stehen nicht vor vorgefertigten Jobbeschreibungen.

Spüren Sie einen Fachkräftemangel und wenn ja, bei welchen Jobs?

Spezialisierte Studiengänge für Big Data, New Technologies und Co. sind gerade erst am Entstehen. Würde ich heute eine Empfehlung für die Studienplatzwahl geben müssen, so wäre es definitiv dieser Bereich - denn hier ist der Job so gut wie sicher. Dank eines sehr guten Recruitings und dem Vorteil, dass wir Innovationsführer im Bereich Big Data Technologien sind, sind wir sehr attraktiv für die wenigen spezialisierten Fachkräfte. Als international aufgestelltes Unternehmen ist Deutsch als Zweit- oder Muttersprache auch alles andere als Pflicht, wir sind für jede Nationalität offen. Arbeitssprache ist und bleibt bei uns Englisch. Derzeit arbeiten Mitarbeiter aus mehr als 40 Nationen bei Kreditech.

Gibt es "Schrauben" an denen Sie gerne drehen würden, um den deutschen Job-Markt zu optimieren? Stichwort Blue Card, Bewerbermobilität oder Wertewandel.

Ja, Startups hierzulande sollten viel stärker unterstützt werden. Aktuell legt uns die Politik mit vielen gesetzlichen Regelungen Steine in den Weg. Der Hauptkritikpunkt liegt hier vor allem auf der  Schwierigkeit eine Arbeitserlaubnis für hochqualifizierte Bewerber von außerhalb Europas zu bekommen. Wenn die Bewerber keine abgeschlossene Ausbildung oder abgeschlossenes Hochschulabschluss haben, ist es fast unmöglich, sie trotz langjähriger Berufserfahrung und idealer Passung bei uns anzustellen. Wir haben dieses Thema sogar schon bis nach Duisburg (ZAV - Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) eskaliert, hatten aber bislang leider wenig Erfolg.  Aktuelle Themen wie die neue Mindestlohnregelung führen meiner Meinung nach außerdem dazu, dass es Studienabgängern schwerer gemacht wird, ein freiwilliges Praktikum zu absolvieren, da sie fast genau so viel kosten wir Juniors oder Trainees. Generell finde ich die Regelung sinnvoll, würde sie jedoch für Praktikanten (gerade für Firmen wie uns - die sich der Fair Company verschrieben haben) überdenken.

Was bedeutet das Thema Work-Life-Balance für Sie?

Es muss die richtige Kombination sein aus Arbeit, die motiviert und täglich aufs Neue herausfordert, gleichzeitig aber auch das richtige Arbeitsumfeld dafür bietet. Tolle internationale Kollegen - wie bei Kreditech - mit denen man auch mal im Vertrauen sprechen kann, mit denen man gerne arbeitet und von denen man lernen kann, tragen hier sicherlich dazu bei.  Auch sollte der Arbeitsalltag halbwegs flexibel gestaltbar sein. Wir machen hier keinen Nine-to-Five Job und können auch problemlos einmal einen Termin tagsüber wahrnehmen. Generell gilt das Prinzip: Ergebnisorientierung vor Zeit absitzen, was ich persönlich sehr schätze.

Die Work-Life-Balance wird sich in Zukunft weiter verändern. Wie schätzen Sie diese weitere Entwicklung ein?

Im Bereich flexible Arbeitszeit und Arbeitsort wird sich in Zukunft noch viel tun. Durch die zunehmende Digitalisierung wird gerade der Arbeitsort immer flexibler werden. Das ist auch hier zu spüren, denn derzeit arbeiten wir mit internationalen Teams von neun Standorten weltweit zusammen. Richtig integriert, kann auch die digitalisierte Arbeitsweise den Zusammenhalt des Teams und eine effiziente Zusammenarbeit fördern. Insbesondere das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie kommt mir hier in den Sinn. Kreditech als digitalisierte Firma ist aus meiner Sicht prädestiniert für ein familienfreundliches Umfeld, da Arbeit von überall auf der Welt geleistet werden kann. Neue Technologien wie Google Hangouts helfen uns dabei, trotzdem in Kontakt zu bleiben.

Welche (freiwilligen) Sozialleistungen und Mitarbeiter-Benefits bieten Sie Ihrem Personal an?

Talent ist alles bei Kreditech. So sind interne und externe Weiterbildungen ein wichtiger Bestandteil für die Professionalisierung des Unternehmens sowie der persönlichen Weiterentwicklung.

Für das tägliche Wohlgefühl wird allerlei geboten. Neben kostenlosen Getränken und Snacks, bieten wir kostenloses Essen und Taxis nach Feierabend.  Die HVV-Proficard und eine Fitness-Studio Mitgliedschaft sollen das Leben zusätzlich erleichtern. Insbesondere für unsere internationalen Mitarbeiter bieten wir Deutschkurse für alle Level an. Seit Januar 2015 haben wir ebenfalls eine Feelgood-Managerin, die sich federführend um das Thema “Ankommen” in Deutschland (Relocation etc.) für internationale Mitarbeiter, den Ausbau unserer Perks und die interne Kommunikation kümmert. Darüber hinaus gibt es viele Mitarbeiter-Events, die regelmäßig angeboten werden.

Welche Rolle spielt Diversity-Management bei Ihrer Personalplanung und welche Vorteile ergeben sich hieraus?

Diversity ist uns sehr wichtig. Unsere Mitarbeiter kommen aus mehr als 40 verschiedenen Nationen. Das Recruiting-Team sucht weltweit die besten Kandidaten für die zu besetzenden Vakanzen. Dass uns Vielfältigkeit am Herzen liegt, sieht man auch, wenn man die Anzahl der Frauen bei Kreditech betrachtet. Der Anteil liegt bei 40%, was für ein Technologie-Unternehmen überdurchschnittlich hoch ist. Wir nehmen das Thema Diversity sehr ernst und werden in Zukunft Cultural Sensitivity Trainings als Teil des Onboardings anbieten.

In welcher Weise unterstützen Sie Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen mit Familienverantwortung?

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die eine Familie haben, werden vor allem durch flexible Arbeitszeiten unterstützt. Es gibt immer die Möglichkeit, einen Tag vom Homeoffice aus zu arbeiten, wenn es die Familiensituation nicht anders zulässt. Außerdem beteiligen wir uns an den Kosten für den Kindergarten und bieten Fitness First Mitgliedschaften zu vergünstigten Konditionen auch für Familienmitglieder an. Unsere Feelgood-Managerin kümmert sich außerdem um Kindergarten- und Schulplätze für die Kinder unserer internationalen Mitarbeiter und unterstützt bereits im Visa-Prozess, um den Zuzug der ganzen Familie zu vereinfachen.

Welche Trends im Personalbereich finden Sie besonders spannend?

Bei einem schnell wachsenden Unternehmen wie Kreditech müssen wir immer am Puls der Zeit bleiben. Spannend finde ich die Vision, Big Data im Recruiting oder auch in der Mitarbeiterentwicklung einzusetzen. Das würde auch im Sinne unseres Geschäftsmodels eine gesamte Abteilung automatisieren, menschliche Fehler werden reduziert und die Treffsicherheit wird höher. Allerdings sollten wir weiterhin auch multimodal und multimethodal testen - sprich die menschliche Komponente im Recruiting und auch Personal nicht vergessen. Die Möglichkeiten von Big Data sind hier genial - und müssen in Deutschland natürlich immer auch in Compliance mit dem Datenschutz stehen, was uns in Zukunft vor weitere spannende Herausforderungen stellt.



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