Feinkost fürs Gehirn
Innovative Arbeitgeber im Fokus

Feinkost für’s Gehirn

Martina Eberl, Leiterin der Käfer Akademie über innovative Formate in der Personalentwicklung und die Umsetzug von entwickelten Strategien in die Praxis.

Martina Eberl, Leiterin der Käfer Akademie über innovative Formate in der Personalentwicklung und die Umsetzug von entwickelten Strategien in die Praxis.

15.06.2015

JOBVERDE.de: Warum nimmt Personalentwicklung eine so zentrale Funktion bei Käfer ein?

MARTINA EBERL: Die vielen Menschen, die hinter der Marke Käfer stehen, machen die Qualität unseres Unternehmens aus. Damit sie ihre anspruchsvollen Aufgaben gut erfüllen können, unterstützen wir sie dabei, das dafür notwendige Know-how immer auf einem aktuellen Stand zu halten.
Darüber hinaus möchten wir unseren Mitarbeitenden auch Perspektiven in der eigenen Entwicklung bieten. Gerade in den Jahresgesprächen und im Kontakt mit Bewerbern merken wir, dass uns die Angebote der Personalentwicklung als Arbeitgeber attraktiv machen. Die Vorteile liegen auf der Hand: durch Förderprogramme und die Bezuschussung von externen Fortbildungen erreichen wir neben der Qualifizierung auch eine hohe Mitarbeiterbindung und entwickeln unseren eigenen Nachwuchs.

Ihr Motto lautet „Feinkost für’s Gehirn – sind herkömmliche Personalentwicklungsprogramme dagegen Fast Food?
Weiterbildungs- und Entwicklungsmaßnahmen sollten immer individuell auf die Unternehmensinhalte und die Mitarbeitenden zugeschnitten sein. Anstelle eines Angebots von der Stange versuchen wir, mit der Zeit zu gehen, uns an aktuellen Anliegen auszurichten und stellen bei Bedarf auch kurzfristig benötigte Formate auf die Beine. Der Anspruch, den wir bei der Auswahl unserer Lebensmittel, der Zubereitung unserer Speisen oder unseren Dienstleistungen haben und der auch im Käfer Qualitätsmanifest festgeschrieben ist, gilt auch für die Maßnahmen der Personalentwicklung: Eine fundierte Beratung der Teilnehmer bildet die Basis, um daraus passende Lernmenüs anzubieten. Dabei verfolgen wir klare Ziele und stellen gleichzeitig die Praxis unserer Teilnehmer, deren Lernstile, Bedürfnisse und Erfahrungen sowie den praktischen Transfer in den Arbeitsalltag in den Mittelpunkt.
Unser Anspruch ist auch, dass die Teilnehmer in den Programmen unsere fünf Käfer Unternehmenswerte wiederfinden und erleben: Hochwertig,  liebenswert, emotional, überraschend und einzigartig. Das bedeutet erlebnisorientiertes Lernen, bei dem gemeinsam gelacht, von den Erfahrungen der anderen profitiert und durch kleine Details Freude bereitet wird.

Ihre Akademie bietet Workshops, Seminare und Exkursionen zur Förderung und Entwicklung der Käfer-Belegschaft an. Können Sie ein paar Beispiele geben?

Neben vielen Seminaren rund um das fachliche Know-how wie z.B. Warenkunde- und Sensorik-Schulungen oder EDV Kurse organisieren wir für unsere Mitarbeitenden Ausflüge zu Lieferanten, damit sie sehen, wo unsere Produkte eigentlich herkommen, welche Qualität sie haben und wie sie verarbeitet werden. Außerdem finden regelmäßig Exkursionen zu anderen Käfer Betrieben statt, zum Beispiel in die Markthallen in Rungis bei Paris, wo wir eine Einkaufsgesellschaft betreiben. Auch den Einblick in fremde Betriebe und Branchen ermöglichen wir unseren Mitarbeitenden – wir nennen das den „Blick über den Tellerrand“. Pro Jahr haben ca. 10 Mitarbeitende aus verschiedensten Abteilungen die Möglichkeit, im Rahmen der „Search for Excellence“ Initiative in eines der Partnerunternehmen wie z.B. Nespresso, LodenFrey, John Deere oder die BMW Welt hinein zu schnuppern. Zudem organisieren wir im Küchenbereich weltweit Hospitationen zum Ausbau von Expertise und interkultureller Kompetenz unserer Köche.

Berufseinsteigern bieten wir außerdem Einführungsprogramme, damit sie vom Start weg erfolgreich und souverän auftreten und sich gut auf neue Situationen einstellen können. Dazu gehören auch Themen wie der Aufbau einer guten Beziehung zu Vorgesetzten und Kollegen oder die Do’s and Don’ts in beruflichen Situationen.

Gibt es bestimmte Schwerpunkte bei den Trainings?

Produktkenntnisse und Kompetenz in der Kommunikation werden bei uns immer einen hohen Stellenwert einnehmen, da sie die Basis für eine gute Beratung unserer Kunden darstellen.
Außerdem sind „soft skills“ wie zum Beispiel Selbstmanagement, Konfliktkompetenz und Gesundheit  wichtige Bestandteile unseres Angebots. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung unserer Führungskräfte, denn sie müssen durch ihre Vorbildfunktion ihre Teams motivieren.

Können Sie ein bis zwei Beispiele geben, wie in Ihren Workshops Erlerntes im Unternehmensalltag Umsetzung findet?

„Fühlbar gut schreiben“ ist ein gutes Beispiel. Die Teilnehmer bekommen hier Tipps vom Profi zu Formulierungen, Aufbau und Grammatik. Anhand von mitgebrachten Schriftstücken oder aktuellen Aufgabenstellungen wie einem Dankesbrief wird gemeinsam überlegt, wie die Unternehmenswerte auch in die schriftliche Kommunikation intern und extern übersetzt werden können. Gerade sprachlich nicht so versierte Mitarbeitende profitieren sehr davon und können das am Praxisbeispiel Erlernte gut im Alltag umsetzen.

Ein anderes, aktuelles Beispiel ist ein HR Workshop zum Thema Fachkräftemangel, den wir gerade im Küchenbereich dringend angehen müssen. Hier diskutieren Berater und junge HR Professionals aus anderen Branchen mit Küchenchefs, Jungköchen und Personalverantwortlichen von Käfer, welche Instrumentarien gegen den Fachkräftemangel eingesetzt werden können, was man als Unternehmen anbieten kann oder muss, um attraktiv zu sein und welche Alternativstrategien eventuell greifen könnten. Die Teilnehmer lernen dabei, wie man so ein Thema strategisch angeht und wie man die entwickelte Strategie in der Praxis umsetzen kann. Auch hier schärft die Beteiligung von Menschen aus anderen Branchen den Blick über den Tellerrand und damit die Bereitschaft, sich auf neues Terrain zu wagen.

Die Käfer Akademie ist offen für externe Teilnehmer. Wer kann von Ihnen profitieren?

Bisher haben wir unsere Angebote für externe Teilnehmer noch nicht aktiv vermarket, aber wir bekommen immer wieder Anfragen, die wir auch gerne annehmen. Zu unseren Kunden zählen Betriebe und Einrichtungen auf der Suche nach einem kompetenten Anbieter,  der kein Standardprogramm abspult, sondern sehr nah an der Praxis agiert und den Dienstleistungsgedanken verinnerlicht hat. Außerdem schätzen unsere Kunden, dass wir sie im Vorfeld zu einer Maßnahme beraten und - wenn wir es für nötig empfinden - auch einmal  Ziele oder geplante Vorgehensweise konstruktiv in Frage stellen.

Zu unseren Seminaren kommen bisher Teilnehmer aus kleinen und mittelständischen Betrieben. Das sind Firmen, deren Führung Wert auf die Entwicklung ihrer Mitarbeiter legt, für die aber eine eigene Personalentwicklungsabteilung unrentabel wäre.

Wir werden aber auch von Menschen kontaktiert, die aus ganz unterschiedlichen Kreisen von unseren Maßnahmen erfahren: Lieferanten und Geschäftspartner, aber auch Kommilitonen unserer Studenten oder Familienmitglieder unserer Mitarbeiter, die von unseren Maßnahmen gehört oder darüber auf unserem Blog g www.kaeferakademie.de gelesen haben. Überraschenderweise haben uns davon viele auf unsere Seminare für den erfolgreichen Auftritt im Berufsleben angesprochen, sodass wir den Business-Knigge und  die persönliche Stilberatung als offene Seminare ausschreiben werden

Sie haben beispielsweise den Käfer Wir-Gefühltag ins Leben gerufen. Was passiert hier?

Das Familienunternehmen Käfer ist in den letzten Jahren stark gewachsen: neue Standorte, neue Geschäftszweige, neue Führungskräfte und neue Mitarbeiter.  Die fünf Unternehmenswerte hochwertig, liebenswert überraschend, emotional und einzigartig verbinden uns und  beschreiben, wofür Käfer steht. Doch wie wird aus diesen Werten an allen Standorten eine gelebte Unternehmenskultur? Während des Großgruppenworkshops Käfer Wir-Gefühl wollten wir hierarchieübergreifend mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus allen Unternehmensbereichen darüber in den Dialog treten.

Der Ablauf des Tages wird von einem Planungsteam mit Vertretern aus allen Geschäftsbereichen gestaltet, unterstützt durch einen auf Großgruppenmoderation und Organisationsentwicklung spezialisierten Moderator. Die Aufgabenstellung stand rasch fest: Wir wollen mehr darüber erfahren, wie der Arbeitsalltag der Kollegen aussieht, was sie beschäftigt und worauf sie stolz sind.
Bereits zum ersten Käfer Wir-Gefühltag kamen über 150 Teilnehmer. Es gab einen großen Käfer Marktplatz, in dem sich jeder Unternehmensbereich beeindruckend einfallsreich präsentierte. Durch die vielen Geschichten, Anekdoten, aber auch durch einige sehr emotionale Erlebnisse war für alle spürbar, was unsere Unternehmenskultur auszeichnet.

Nach dieser Veranstaltung erhielten wir so viel positives Feedback, dass sie mittlerweile ein fester Programmpunkt der Käfer Akademie ist. Wir nutzen die Erfahrung in der großen Gruppe um gemeinsam zu überlegen, wie wir heute die Werte bereits mit Leben füllen und wie die Umsetzung zukünftig aussehen soll, sammeln Best-Practice Beispiele und überlegen, was wir unseren Kunden künftig bieten wollen. So entstehen lebendige Diskussionen und ein großes Potpourri an Ideen, deren Umsetzung im Anschluss analysiert wird. Außerdem ließ sich bisher jedes Planungsteam ein Highlight einfallen, mit dem wir den Tag feierlich abschließen. Ich bin jedes Mal auf das Neue erstaunt, welcher Spirit hier entsteht und wenn Teilnehmer sagen „Ich bin echt stolz, mit euch zu arbeiten“ oder „Ich finde wir sind heute noch ein Stück enger zusammengewachsen“, dann berührt mich das schon sehr.

Einen hohen Stellenwert nimmt der Netzwerkgedanke ein, warum?

Den Vorteil von Netzwerken sehen wir darin, Synergien zu erkennen, voneinander zu lernen, das Know-how der Gruppe zur Lösung komplexer Probleme zu nutzen und Innovationen zu fördern.
Trotz Newsletter, Intranet und Informationsveranstaltungen hören wir immer wieder von Kolleginnen und Kollegen, dass sie sich wünschen mehr darüber zu erfahren, was andere Teams bei Käfer so tun. Auch im Feedback zu Seminaren wird insbesondere der Austausch mit Kollegen aus anderen Bereichen als besonders wertvoll empfunden. Daher achten wir sehr darauf Plattformen zu schaffen, auf denen bereichsübergreifender Austausch stattfindet. Das reicht von eher formellen Netzwerken wie dem Küchenchefs-Table, wo man gemeinsam ein Ziel erreichen möchte, bis hin zu informellen Events wie dem gemeinsamen Lauftraining oder After-Work-Treffen. Neben internen Netzwerken fördern wir auch eine Beteiligung an externen Fachgruppen und Netzwerken wie dem Partnerprogramm „Search for Excellence“

Welche generellen Trends erkennen Sie beim Thema Personalentwicklung?

Aktuell befinden wir uns in einer spannenden Zeit: Digitale Transformation, neue technische Entwicklungen, Individualisierung, Demografie und der Mangel an Fachkräften, Globalisierung, der Wertewandel und andere tiefgreifende Veränderungen beeinflussen unsere Arbeitswelt.
Die hohe Geschwindigkeit, mit der wir konfrontiert werden und immer spezifischere Anforderungen  machen drei Dinge besonders wichtig:

1. Die Bereitschaft sich permanent weiterzubilden.

2. Die Fähigkeit, sich schnell auf Veränderungen einzustellen und diese zu bewältigen.

3. Die Lernfähigkeit, sich die richtigen Informationen zu beschaffen und sie gewinnbringend einzusetzen.

Meine Prognose ist daher, dass Kompetenzen wie die Nutzung von Medien und Netzwerken, Empathie und Kommunikation, Innovation sowie IT-Kenntnisse und eine unternehmerische Haltung an Bedeutung gewinnen werden. Die Rolle der Personalentwicklung sehe ich darin, die Mitarbeitenden auf diese Veränderungen vorzubereiten und sie mit passenden Lernstrategien und Quellen für die immer individueller werdenden Entwicklungsbedürfnisse zu unterstützen. Damit Entwicklungsmaßnahmen den gewünschten Erfolg für das Unternehmen bringen, wird es meines Erachtens künftig noch wichtiger, das große Ganze im Blick zu haben – also auch Rahmenbedingungen und (Führungs-) Kultur zu berücksichtigen und voranzutreiben.

Wie wird sich die Käferakademie weiterentwickeln?

Für die künftige Arbeitsfitness werden Selbstmanagement und Sozialkompetenz sehr wichtig sein. Menschen, die ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen wissen, auf welche Art und Weise sie am besten arbeiten und wie sie ihre Gesundheit erhalten und steigern so ihre persönliche Effizienz und Leistungsbereitschaft.
Wir bauen daher zum einen die Angebote im Rahmen unserer betrieblichen Gesundheitsförderung aus. Zum anderen bieten wir Formate mit Raum zum Austausch, zur Selbstreflektion und –erfahrung und der Möglichkeit, individuelles (Karriere-) Coaching zu nutzen.

Damit jeder sein volles Potenzial entfalten kann, braucht es auch sozial kompetente Führungskräfte, die die Stärken ihrer Mitarbeiter erkennen und ein Umfeld gestalten, in dem sie diese voll einbringen können. Daher integrieren wir in unsere Programme zur Führungskräfteentwicklung Themen wie das Führen von altersgemischten Teams, Diversität und Gesundheitsmanagement, Konflikte konstruktiv lösen, die Führungskraft als Personalentwickler und Umgang mit Veränderungen.

Außerdem werden wir drei Methoden, die sich bisher sehr gut bewährt haben weiter  nutzen:
1. Trainingseinheiten, die von Mitarbeitenden für ihre Kolleginnen und Kollegen abgehalten werden.
2. Formate wie das Käfer Führungsforum, wo die Teilnehmenden ihre aktuellen Anliegen einbringen können,  dazu Impulse und Input von kompetenten Trainern erhalten und sich in kollegialer Runde zu ihren Herausforderungen beraten.
3. Die Einbeziehung der Mitarbeitenden bei der Konzeption von neuen Angeboten.



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