Vision für eine bessere Welt
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Vision für eine bessere Welt

INTERVIEW | Claudia Silber ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ganzheitlich nachhaltig tätigen Versandhandels memo AG zuständig. Im Interview hat sie verraten, wie ihre Vision für eine bessere Welt aussieht.

INTERVIEW | Claudia Silber ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ganzheitlich nachhaltig tätigen Versandhandels memo AG zuständig. Im Interview hat sie verraten, wie ihre Vision für eine bessere Welt aussieht.

23.04.2018 - Foto: © memo AG

Frau, Silber, Sie arbeiten seit 2009 bei der memo AG, einem Versandhandel, der nachhaltige Alltagsprodukte verkauft, aber auch rundum nachhaltig handelt. Mittlerweile leiten Sie dort die Unternehmenskommunikation. Wie hat Sie die Arbeit in einem nachhaltigen Unternehmen im Laufe der Zeit beeinflusst oder auch verändert?


Manchmal sage ich scherzhaft, dass mich meine Arbeit im Laufe der Zeit zu einem „Öko-Fundi“ gemacht hat. Was ich früher als ganz normal empfunden oder mir einfach keine Gedanken gemacht habe, hinterfrage ich heute sehr oft. Das fängt an beim Kauf von bestimmten Produkten für den Alltag wie Lebensmittel oder Bekleidung: Wo sind die Produkte hergestellt? Welches Unternehmen steht dahinter? Wie wirken sich die Produkte auf Umwelt, Klima und Gesundheit aus? Wie sieht es mit dem Ressourcenverbrauch aus? Durch meine Erfahrungen und das Wissen, das ich in den letzten Jahren gesammelt habe, kaufe ich mittlerweile sehr viel bewusster ein, verzichte auch einmal an der ein oder anderen Stelle und versuche einfach, mich nachhaltiger zu verhalten und z.B. öfter zu Fuß zu gehen oder das Fahrrad zu nehmen.

An welchen Stellen tun Sie sich noch schwer?

Nach wie vor setze ich mich aus Bequemlichkeit noch viel zu oft ins Auto anstatt zu Fuß zu gehen. Und ich überlege schon lange, zu einer nachhaltigen Bank zu wechseln, schiebe es aber immer wieder auf.

Welche Tipps haben Sie für mehr Nachhaltigkeit im Alltag? Was kann jeder Mensch tun, um seinen Alltag bewusster und nachhaltiger zu gestalten?

Eigentlich ist es ganz einfach. Am Anfang sollte man sich bewusst machen, was man kauft und an welchen Stellen man sich nicht gerade nachhaltig verhält. Die Dinge, die am leichtesten zu verändern waren, bin ich zuerst angegangen, und es kam dann ganz von selbst, auch die etwas größeren Dinge, z.B. den Kauf herkömmlicher Bekleidung weitestgehend zu vermeiden, anzugehen. Ein bisschen Information und Hintergrundwissen gehört allerdings schon dazu. Wer sich regelmäßig über entsprechende Plattformen, z.B. Utopia, informiert, findet automatisch Anregungen zu einem bewussteren Leben und seinen ganz eigenen Weg.

Welche aktuellen Debatten, Tatsachen, Maßnahmen, etc. machen Ihnen Freude?

Zu meiner Tätigkeit in der Unternehmenskommunikation gehört auch der Bereich Kooperationen. Damit bin ich der Ansprechpartner für alle nachhaltigen Projekte und Initiativen, die mit der memo AG zusammen arbeiten möchten. Fast täglich bekomme ich Informationen zu tollen Projekten von Menschen, die sich engagieren und diese Welt zu einem besseren Ort machen möchten. Das macht oft Freude, obwohl wir natürlich leider nicht jedes gute Projekt unterstützen können.

Und was macht Ihnen Sorge?

Wie sorglos und ignorant mit dem Zustand unseres Planeten und mit der Armut vieler Menschen im In- und Ausland umgegangen wird! Das fängt damit an, dass es bei uns noch viel zu viele Menschen gibt, die sich nicht bewusst sind oder nicht sein wollen, dass z.B. der Kauf von „Wegwerf-Kleidung“ massive Auswirkungen auf andere Menschen in anderen Ländern hat. Es geht weiter über die Tatsache, wie einfach die neue Regierung die vereinbarten Klimaziele über Bord geworfen hat. Vielleicht haben sie den Eindruck, dass das Thema der Mehrheit in Deutschland nicht wichtig ist, aber sie spielen damit mit unserer Zukunft und der der nachfolgenden Generationen. Das macht mich wütend. Und dann sind da natürlich noch Figuren wie Trump, Putin, Erdogan oder Orbán …

Haben Sie eine „Vision“ für eine bessere Welt?

Ich hätte da zumindest eine Idee, die vielleicht vermessen klingt und etwas unrealistisch ist, meiner Meinung nach aber zumindest hier in Deutschland viel bewirken könnte: Ich würde den Solidaritätszuschlag nicht abschaffen, sondern ihn zweckgebunden für rein gesellschaftlich relevante Bereiche verwenden. Das könnte z.B. sein, Nachhaltigkeit nicht nur punktuell, sondern generell bereits in die Vorschul- und Schulbildung zu integrieren, für den Ausbau nachhaltiger Verkehrs- und Mobilitätskonzepte verwendet werden oder zur gezielten Förderung innovativer und effektiver Konzepte zum Umwelt- und Klimaschutz. Kontrolliert werden könnte der Einsatz dann z.B. vom Bundesrechnungshof, der die Ergebnisse dann jährlich an die Öffentlichkeit weitergibt.

Inwiefern muss sich die Nachhaltigkeitskommunikation ändern, um die Menschen wirklich im Herzen zu erreichen?

Nachhaltigkeitskommunikation in Form von Nachhaltigkeitsberichterstattung ist wichtig. Diese Form ermöglicht die annähernde Vergleichbarkeit von Unternehmen und Organisationen in ihren nachhaltigen Leistungen und Maßnahmen. Allerdings ist sie aufgrund der sehr sachlichen und häufig wissenschaftlichen Grundlagen doch für die meisten Menschen auch sehr unverständlich.

Außerhalb dieser Berichterstattung muss die Nachhaltigkeitskommunikation näher an den Menschen heranrücken, Nachhaltigkeit einfach erklärt und verständlich sein. Gerade in der Kommunikation von ökologisch und sozial verträglichen Produkten ist es wichtig, dem Verbraucher zu erklären, warum dieses Produkt besser als ein herkömmliches ist. Wenn es um unabhängige und zuverlässige Umweltzeichen und Labels geht, ist es gerade eben wichtig, deutlich zu machen, warum sie sich von „hausgemachten“, unternehmenseigenen Labels, die meist nur „Greenwashing“ sind, unterscheiden.

Und letztlich muss auch die Nachhaltigkeitskommunikation wieder zu einem unabhängigen, zuverlässigen und vertrauenswürdigen Journalismus zurückkehren. Es gibt auch in diesem Bereich zu viele Medien, die nur gegen Bezahlung die reinen Pressemeldungen abdrucken. Für den Leser wäre allerdings ein gut recherchierter und mit weiteren Informationen angereicherter Bericht weitaus hilfreicher und zielführender. Die Berichterstattung darf dann auch nicht mit dem „erhobenen Zeigefinger“ daherkommen, sondern mit guten Argumenten arbeiten und Überzeugungsarbeit leisten. Ich weiß, dass das aufgrund personeller und finanzieller Schwachstellen oft schwierig ist – dennoch macht alles andere wenig Sinn.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt

Zur Person:

Claudia Silber ist seit 2009 als Pressesprecherin bei der memo AG/Greußenheim tätig – seit 2013 leitet sie den Bereich Unternehmenskommunikation des Unternehmens. In dieser Funktion ist sie nicht nur für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ganzheitlich nachhaltig tätigen Versandhandels zuständig, sondern verantwortet auch das Sponsoring und ist Ansprechpartnerin für die zahlreichen Kooperationspartner der memo AG. Nach dem Studium der Germanistik und Journalistik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg war sie einige Jahre in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Textilunternehmen tätig. Ein internes CSR-Projekt weckte ihr Interesse am Thema Nachhaltigkeit, dem sie sich seither beruflich widmet. Zu ihren Aufgaben gehört u.a. auch die Mitarbeit am memo Nachhaltigkeitsbericht, der alle zwei Jahre erscheint.

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