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„Es lohnt sich, um jedes Zehntel Grad Erderwärmung zu kämpfen“

INTERVIEW | Zwei am Puls der Erde: Raphael und Theresa haben in sechs Monate 20.000 Kilometer zurückgelegt. Dabei sind sie quer durch alle Klimazonen gereist.  

INTERVIEW | Zwei am Puls der Erde: Raphael und Theresa haben in sechs Monate 20.000 Kilometer zurückgelegt. Dabei sind sie quer durch alle Klimazonen gereist.  

13.07.2021 | Ein Interview geführt von Laura Hofschlag | Bilder: Zwei am Puls der Erde

Theresa Leisgang ist ausgebildete Journalistin und Campaignerin, Raphael Thelen arbeitet als Reporter – doch die Angst vor der Klimakrise überschattet ihren Alltag. Die beiden wollen anderswo nach Antworten suchen und begeben sich auf eine Reise zu den Orten, die schon heute von der Klimakrise betroffen sind.

JOBVERDE: Ihr seid einmal quer durch alle Klimazonen gereist – von Südafrika bis zum nördlichen Polarkreis. Wieso habt ihr euch auf die Reise gemacht?

Raphael Thelen: Im Dürresommer 2019 fuhren wir mit dem Rad von Berlin, wo wir wohnen, nach Brandenburg raus und kamen durch eine Allee, die von hohen Eichen gesäumt war. Die Baumkronen spendeten uns Schatten, doch die Blätter raschelten merkwürdig laut und uns fiel auf: Sie waren teils vertrocknet. Eichen, deren Wurzeln tief, tief in die Erde reichen, fanden nicht genug Wasser. Wir hielten an und ein mulmiges Gefühl machte sich breit: Wie konnte das sein? Und wie sollten dann andere Pflanzen noch eine Chance haben? Wir standen da und wussten wieder mal nichts zu tun, mit unserer Hilflosigkeit, unserer Wut und Angst angesichts der Klimakrise.

In uns reifte die Erkenntnis, dass wir mehr machen wollen als noch einen Tweet, noch eine Kampagne, noch eine Reportage, dass auch wir uns vielleicht zu sehr auf das bestehende System verlassen haben, dass es Zeit ist, anderswo nach Antworten zu suchen. Wir haben also einen Plan geschmiedet: eine Reise von Südafrika nach Norden. 20.000 Kilometer über Land bis in die Arktis reisen, einmal quer durch alle Klimazonen, um jene Menschen zu treffen, die schon heute der Klimakrise begegnen und sie fragen, was wir tun können und wer wir sein müssen auf dem Weg in eine klimagerechte Welt.

Wie würdet ihr eure Reise in drei Worten beschreiben?

Drei Worte sind zu wenig für eine so tiefgreifende Erfahrung, die noch lange nachklingen wird.

Wie lange wart ihr unterwegs?

Unterwegs waren wir sechs Monate, doch es fühlt sich bis heute so an, als würden wir weiterhin Antworten auf unsere Fragen finden – als wären wir immer noch auf einer Reise. Schließlich eskaliert die Klimakrise weiter und Antworten darauf zu finden, geht Tag für Tag weiter.

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„Es fühlt sich bis heute so an […] als wären wir immer noch auf einer Reise“ (Raphael, Bild: Zwei am Puls der Erde)

Wie habt ihr die einzelnen Stationen der Reise festgelegt?

Wir haben vorher entschieden, welche Themenbereiche wir abdecken wollen: Wie organisieren sich Menschen in einer Dürre? Was hat die Klimakrise mit Frauenrechten zu tun? Wie zerstört die globale Erwärmung lebenswichtige Ökosysteme? Dann haben wir geschaut, wo wir diese Themen recherchieren können. Aber natürlich waren auch Sicherheitsfragen von Bedeutung.

Was durfte in eurer Reisetasche nicht fehlen?

Klar waren Handys, Kamera und eine Reiseapotheke in unseren Rucksäcken. Aber Reisen bedeutet ja vor allem, sich mit unvorhergesehenen Begegnungen auseinanderzusetzen und dabei etwas über sich selbst und die Welt zu lernen. Das wichtigste hat man also immer dabei: die eigenen Gefühle, Eindrücke, Gedanken.

Wie habt ihr euch fortbewegt?

Vor allem mit Bussen, Fähren und Zügen.

Was waren eure Highlights während der Reise?

Menschen in Südafrika, in Mosambik, Deutschland, Großbritannien, Schweden und Norwegen zu treffen, die uns immer wieder klargemacht haben: Es lohnt sich, um jedes Zehntel Grad Erderwärmung zu kämpfen. Das beste Mittel in diesem Kampf ist nicht die Technologie, sondern das gemeinsame Handeln mit anderen, die verstehen: Es geht nicht darum, was du kaufst, sondern wer du bist und wie verbunden du handelst.

Seid ihr während der Reise an persönliche Grenzen gestoßen?

Ja. Während der Pandemie zwischen zwei Grenzen im Niemandsland zu stranden. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit war prägend und hat uns gezeigt: Die Krisen warten nicht erst in der Zukunft auf uns, sie sind heute.

Wie hat euch die Reise persönlich geprägt?

Wir sind jetzt ehrlicher mit uns: Wir wissen, dass die Krise da ist, dass es nicht reicht, unseren Karrieren einen grünen Anstrich zu geben und ein bisschen nachhaltig zu konsumieren. Wir wissen, dass der Wandel viel, viel tiefer ansetzen muss. Wir müssen weg vom Wirtschaftsdiktum, das letztlich nur ein anderes Wort für die Ausbeutung des Planeten ist. Und wir wissen jetzt, wie schön das Leben sein kann, wenn man unter anderen Prämissen lebt. 

 

Vielen Dank für das Interview, lieber Raphael!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an die Beiden stellen möchtest?

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