Feierabend! Warum man für seinen Job nicht brennen muss
Kandidaten und Querdenker

Feierabend! Warum man für seinen Job nicht brennen muss

Es ist vollkommen okay, seinen Job einfach "nur" gut zu machen, meint Dr. Volker Kitz in seinem neuen Buch " Feierabend! Warum man für seinen Job nicht brennen muss".

Es ist vollkommen okay, seinen Job einfach "nur" gut zu machen, meint Dr. Volker Kitz in seinem neuen Buch " Feierabend! Warum man für seinen Job nicht brennen muss".

31.03.2017 - Bild (c) Andreas Labes

Dass die Arbeit der wichtigste Lebensinhalt sein muss, halten Sie für einen Irrglauben. Wieso denken aber so viele Menschen in unserer Gesellschaft so?

Viele sagen, die Arbeit müsste schon deshalb unser Lebensinhalt sein, weil wir damit viel Zeit verbringen. Allerdings verbringen wir auch viel Zeit mit Schlafen. Deshalb ist es ratsam, sich eine bequeme Matratze zuzulegen – nur wenige suchen aber im Schlafen ihren Lebensinhalt. Übrigens verbringen wir mit Arbeit gar nicht so viel Zeit: Rechnen wir es hoch, entfallen jeweils zwölf Lebensjahre auf Schlafen, auf Fernsehen und darauf, uns mit anderen Menschen zu unterhalten. Mit Arbeiten hingegen verbringen wir nur acht Lebensjahre, wenn man von einer Lebensarbeitszeit von 40 Jahren, einer 40-Stundenwoche und sechs Wochen Urlaub im Jahr ausgeht. Das ist gar nicht so viel. Es besteht also kein Grund, der Arbeit ein übertriebenes Gewicht beizumessen. Das macht nur unglücklich.

Wieso traut sich, Ihrer Meinung nach, keiner offen darüber zu reden, wenn er für seinen Job nicht wirklich „brennt“ und diesen einfach nur okay findet?

Weil es uns so eingeredet wird, in Stellenanzeigen, von Führungskräften, von Artikeln in Zeitschriften über „Sechs Menschen, die ihren Alltagsjob geschmissen haben, um endlich etwas Sinnvolles zu tun“. Nichts gegen Menschen, die ihren Job toll finden. Das Problem, das ich mit meinem Buch ändern will, besteht darin, dass wir so tun, als wäre es selbstverständlich und unerlässlich, in seinem Job total aufzugehen. Doch die Masse der Menschen macht ihre Arbeit gut und ist damit auch irgendwie ganz zufrieden. Sie leidet ausschließlich darunter, dass ihr eingeredet wird: Das reicht nicht! Wenn du nicht jeden Tag vor Erfüllung und Leidenschaft platzt, stimmt etwas nicht, entweder mit deiner Einstellung oder mit einem Beruf. Das macht viele Menschen unnötig unglücklich.

Erwarten die Arbeitgeber aber nicht immer mehr eine solche Einstellung zum Job? Und wie wird sich das, Ihrer Meinung nach, in den kommenden Jahren entwickeln?

Ja, momentan ist das leider noch so. Wer den größten Wirbel veranstaltet, sich gestresst und vor Leidenschaft strotzend inszeniert, wird am meisten wahrgenommen. Mit meinem Buch möchte ich eine Lanze für die Masse der Menschen brechen, die jeden Tag einfach ganz normal ihrer Arbeit erledigen, ohne großen Theaternebel. Für all die Menschen, die ihre Arbeit gut machen, statt sie nur gut zu finden. Diesen Menschen möchte ich ihre Würde und ihre Wertschätzung zurückgeben. Das ist mein Wunsch für die Zukunft.

Wieso ist es in vielen Fällen sogar eher von Vorteil wenn man mit weniger Leidenschaft den Beruf, wie z.B. den des Anwalts, ausführt?

Aus irgend einem Grund hält sich hartnäckig der Glaube, dass man Dinge, die man leidenschaftlich tut, automatisch gut macht. Dabei muss man sich nur mal eine Castingshow im Fernsehen anschauen, um zu sehen, dass das nicht stimmt. Dort singen sehr viele Menschen mit großer Leidenschaft sehr schlecht. Ein Anwalt würde in wichtigen Dingen niemals sich selbst vertreten, sondern immer einen Kollegen beauftragen. Weil er selbst zu nah dran ist, zu viel Leidenschaft hat. Auch in vielen anderen Berufen führt etwas Distanz zu besseren Arbeitsergebnissen. Natürlich stimmt auch der Umkehrschluss nicht: Dass man mit möglichst wenig Leidenschaft seine Arbeit automatisch gut macht. Leidenschaft und Können sind einfach zwei unterschiedliche Messgrößen.

Was sind die Vorteile des „Nine-to-five-Jobs“, wie sie ihn in Ihrem Bestseller „Feierabend!: Warum man für seinen Job nicht brennen muss“ nennen?

Menschen, die einfach ganz normal ihre Arbeit machen, werden in unserer Gesellschaft entweder nicht wahrgenommen oder als Negativbeispiel erwähnt, mit Begriffen wie „Dienst nach Vorschrift“ oder eben „Nine-to-five-Job“ belegt. Dabei würde die Gesellschaft, würde das Arbeitsleben ohne diese Menschen zusammenbrechen. Jedes Unternehmen würde sich umschauen ohne die Masse der Beschäftigten, die es so verachtet, weil sie „nur“ ihre Arbeit machen.

Warum wird „Dienst nach Vorschrift“ von Arbeitgeber-Seite aus generell eher negativ gesehen? Noch vor einigen Jahren hat es doch ausgereicht, seine Aufgaben „nur“ gewissenhaft bis 17 Uhr auszuführen, oder?

Entscheidend ist nicht, wann jemand nach Hause geht, sondern was er in der Zeit davor getan hat. Wer seine Arbeit gut und vollständig erledigt hat, muss sich nicht dafür rechtfertigen, dass er Feierabend macht. Doch eine E-Mail, die abends um 10 Uhr verschickt wird, scheint vielen immer noch wichtiger zu sein als dieselbe E-Mail, die morgens um 10 Uhr verschickt wird. Dabei bedeutet der Umstand, dass jemand spätabends eine Aufgabe erledigt, zunächst einfach nur, dass es sie tagsüber, zwischen neun und fünf, nicht erledigt hat. Das ist nichts, wofür man sich feiern lassen muss.

Wie könnte man die Arbeitskultur ändern und welche Länder sind hier Vorbild?

Mein Buch ist ein Plädoyer für mehr Ehrlichkeit und Gelassenheit im Arbeitsleben. Ich möchte an möglichst vielen Stellen eine Diskussion darüber auslösen, was wir realistischerweise von der Arbeit erwarten können, von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Nur wenn wir der Wahrheit ins Auge sehen, können wir zufrieden werden und gute Ergebnisse bringen. Dafür müssen wir nicht ins Ausland schauen, sondern in unseren eigenen Alltag.



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