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Katharina Reuter macht den Lobbyismus der Zukunft

INTERVIEW I Die Geschäftsführerin des Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. erzählt von ihrem Arbeitsalltag, spricht über das Lieferkettengesetz und richtet einen Appell an junge Frauen.

INTERVIEW I Die Geschäftsführerin des Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. erzählt von ihrem Arbeitsalltag, spricht über das Lieferkettengesetz und richtet einen Appell an junge Frauen.

01.06.2021 | Ein Interview geführt von Laura Hofschlag | Bilder: Unsplash, Jörg Farys (BNW e.V.), Sven Löffler

Katharina Reuter engagiert sich schon seit 20 Jahren für eine zukunftsorientierte Wirtschaft. „Eigentlich wollte ich Bäuerin werden“, sagt sie. Stattdessen ist sie promovierte Ökonomin und war anfangs in Lehre und Forschung, dann im Verbandsbereich tätig. Seit 2014 ist Katharina Geschäftsführerin im Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.

JOBVERDE: War Nachhaltigkeit für Sie schon immer von Bedeutung oder gab es einen „grünen Wendepunkt“ in Ihrem Leben?

„Ja, es gab einen Punkt, wo mein ganzes Engagement begann“, erzählt Katharina. Bei einem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz wird ihr einmal mehr vor Augen geführt, dass sie nicht zuschauen, sondern sich einmischen will. Mit 15 Jahren gründet sie daher die Jugendorganisation der Grünen – bis dato gab es keine Organisation für Jugendliche, die ihren politischen Vorstellungen entsprach. Drei Jahre später ist Katharina die jüngste Vertreterin der Bezirksverordnetenversammlung in Reinickendorf. „Eine tolle Erfahrung, ich stand auf dem Stimmzettel und konnte mich selbst wählen“, berichtet sie. „Nachhaltigkeit auch in meinem eigenen Leben umzusetzen, ist mir ganz wichtig“, fährt Katharina fort.

zukunftslobbyismus

Sie sind Geschäftsführerin des Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW). Wofür setzt sich der BNW ein?

Katharina ReuterDer Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW e.V.) ist seit 1992 die politische Stimme für eine nachhaltige Wirtschaft. Als unabhängiger Unternehmensverband setzen wir uns für Umwelt- und Klimaschutz ein. Unsere größten Erfolge sind das EEG und die Ökosteuer (beides schon länger her). Dann unser Kampf David gegen Goliath zu den Freihandelsabkommen der EU mit den USA (TTIP) und Kanada (CETA). Wir haben es geschafft, dass die Presse am Ende nicht nur zur Kenntnis genommen hat, sondern auch darübergeschrieben hat, dass es viele kritische Stimmen aus dem Unternehmensmittelstand gibt.  Im Zuge der „Fridays for Future“-Bewegung konnten wir erfolgreich die Stimme der Wirtschaft bündeln, mit unserer Initiative „Entrepreneurs for Future“, die weit über den Mitgliederkreis des Verbands hinausgeht. Zusammen mit unseren 450+ Mitgliedsunternehmen zeigen wir, dass Wirtschaft, Soziales und Ökologie zusammengehören. Über unseren europäischen Dachverband Ecopreneur beziehen wir auch in Brüssel Stellung.

Wie ist Ihr Arbeitsalltag als Geschäftsführerin?

Ich wurde letztens gefragt, ob ich eigentlich auch Lobbyistin sei. Ja, denn wir machen Zukunftslobbyismus!

Und so sind beispielsweise Termine mit Bundestagsabgeordneten, Ministerien und anderen Verbänden fast wöchentlich auf der Tagesordnung. Außerdem nehmen wir Stellung zu aktuellen Gesetzesvorhaben, jüngst im Bayerischen Landtag zum Green Deal. Da konnte ich dann für den Wirtschaftsausschuss eine Stellungnahme vorbereiten bzw. in der Sitzung vortragen. Ich tausche mich aber auch ganz viel mit unseren Mitgliedsunternehmen aus, welche politischen Themen sind ihnen gerade wichtig, wo drückt der Schuh.

Da man nur zusammen stark ist, vernetzen wir uns auch stark mit anderen Verbänden und NGOs – das heißt, hier gibt es viele Netzwerk-Termine. Und zu meinem Arbeitsalltag gehört auch, dass ich als Keynote-Speakerin eingeladen werden und dann unsere Themen vertreten darf.

lobbyismusderzukunft

Im Februar hat die Bundesregierung das Lieferkettengesetz vorgestellt. Wie beurteilen Sie das Gesetz?

Endlich hat die Koalition ihren Streit zum Lieferkettengesetz beigelegt. Es war im Koalitionsvertrag versprochen. Wir setzen darauf, dass das Gesetz in KW 23 auf die Agenda des Bundestages kommt. Und ja, es hat viele Schwachstellen, aber wir bewerten das Gesetz als einen wichtigen Schritt für die unternehmerische Verantwortung in der Lieferkette.

Aber beim Thema Haftung, beim Thema Umweltrisiken müssen wir sicherlich (ggf. mit einer neuen Bundesregierung) nochmal nachschärfen. Übrigens auch bei der künstlichen Beschränkung auf die großen Unternehmen. Denn das trägt doch aktiv dazu bei, dass sich kleine und mittelständische Unternehmen nicht das notwendige Lieferkettenmanagement als moderne Business-Disziplin aneignen.

Was verstehen Sie unter einer enkeltauglichen Wirtschaft?

Eine Wirtschaft, die innerhalb der planetaren Grenzen funktioniert. Im Einklang mit Mensch, Natur und Klima. Eine Wirtschaft, die den nachfolgenden Generationen keine unzumutbaren Einschränkungen der persönlichen Freiheit hinterlässt – wie es gerade ja auch nochmal das Bundesverfassungsgericht beschlossen hat.

Gibt es etwas, was Sie jungen Frauen auf den Weg geben möchten?

Traut euch! Traut euch was zu, was Vorträge und Bühne angeht. Traut euch, was Gremien angeht. Sagt öfter ja zu Führungspositionen. Habt nicht so viele Bedenken: Bin ich gut genug? Kann ich 100% der Anforderungen bewältigen? Was ist, wenn ich nicht auf jede Detailfrage eine Antwort weiß?

Denn all´ diese Fragen stellen sich Männer, wenn es beispielsweise um die Kandidatur für einen Vorstand geht, viel seltener.

 

Vielen Dank für das Interview, Frau Reuter!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Katharina Reuter stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare. Wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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Schau auch mal hier: „Umweltschutz muss sexy sein“

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