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„Umweltschutz muss sexy sein“

INTERVIEW I Janine Steeger hat eine 180 Grad Drehung hinter sich. Als GREEN Janine setzt sie sich für das Thema ein, welches ihr wirklich am Herzen liegt – die Nachhaltigkeit. Im Interview haben wir mit ihr über Frauen in der Green Economy, Erlebnisorte für Nachhaltigkeit und ihr Buch gesprochen.

Interview
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INTERVIEW I Janine Steeger hat eine 180 Grad Drehung hinter sich. Als GREEN Janine setzt sie sich für das Thema ein, welches ihr wirklich am Herzen liegt – die Nachhaltigkeit. Im Interview haben wir mit ihr über Frauen in der Green Economy, Erlebnisorte für Nachhaltigkeit und ihr Buch gesprochen.

25.03.2021 | Ein Interview geführt von Laura Hofschlag

Gute Laune, Spaß und positive Gefühle. Anhand ihrer Projekte erzählt uns Janine Steeger, wieso diese drei Dinge essenziel für eine Veränderung sind.

Janine Steeger

Bild: Janine Steeger

JOBVERDE: Frau Steeger, bitte stellen Sie sich den Leser*innen von JOBVERDE kurz vor. Wer ist GREEN Janine?

Janine Steeger: Ich bin Journalistin, Moderatorin und Speakerin, habe viele Berufsjahre beim Fernsehen verbracht und dort schließlich gekündigt. Mein persönlicher Change begann 2011 mit der Fukushima Katastrophe. Ich war schwanger und habe mir zum ersten Mal die Frage gestellt: Was machen wir da eigentlich mit diesem Planeten, welchen Anteil habe ich daran und was kann ich ändern. Die Veränderung begann zunächst im Privatleben, ließ sich aber irgendwann nicht mehr vom Berufsleben fernhalten. Ich habe meinen damaligen Arbeitgeber versucht zu überzeugen, mir eine eigene Sendung zum Thema Nachhaltigkeit zu geben. Aber ich war zu früh. Ich habe dann gekündigt und bin seitdem vor allem als Moderatorin und Speakerin auf Veranstaltungen unterwegs, die mein Herzensthema bedienen.

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Bild: Janine Steeger

Wie hat sich der Schritt vom Traumjob als Moderatorin bei RTL, hin zur Selbstständigkeit angefühlt?

Absolut befreiend, weil es ein langer Prozess war. Ich habe in der Zeit der Entscheidungsfindung mit vielen Familienmitgliedern, Freunden und externen Berater*innen gesprochen und es wurde immer klarer: Ich bin auf der Sinnsuche. Ich hätte gerne erst Plan B in der Tasche gehabt, bevor ich kündige. Dann kam es anders, weil es diesen einen Tropfen gab, der das Fass in mir drin zum Überlaufen gebracht hat. Aber ich habe meine Reaktion darauf, also die Kündigung, in keiner einzigen Sekunde bereut, sondern hatte direkt ein breites Grinsen im Gesicht, weil es sich so richtig und so selbstbestimmt angefühlt hat und immer noch tut.

Wie fühlen Sie sich als Frau in der Green Economy?

Interessant, dass Sie das fragen. Oft fühle ich mich umzingelt von Männern. Männern, die toll sind, die Expertise haben, die ich mag. Aber es sind oft sehr viele Männer. Weil ich glaube, dass das nicht der richtige Weg ist im Kampf gegen die Klimakrise und weil ich mich schnell aufregen kann, wenn es ungerecht zugeht, habe ich futurewoman.de ins Leben gerufen.

Was möchten Sie mit „Futurewoman“ erreichen?  

Aus meiner Initiative ist inzwischen eine UG mit zwei Mitgründerinnen entstanden. Dr. Saskia Juretzek und Sandra Broschat. Gemeinsam wollen wir die vielen Expertinnen in der Nachhaltigkeit, die es eben sehr wohl gibt, sichtbarer machen. Und zwar nicht nur auf unserer Plattform, sondern wir wollen sie in Programmen und in den Medien sehen. Dazu beraten wir inzwischen auch Programmmachende, die glücklicherweise zunehmend Willens sind, ihre Programm geschlechtergerecht und ausgewogen zu gestalten. Wir sind davon überzeugt, dass wir wertvolle Zeit verschwenden, wenn wir Frauen im Kampf gegen diese globale Krise zu wenig mit einbeziehen. Frauen können es nicht besser, aber sie haben andere Herangehensweisen und Tools, die wir dringend nutzen sollten. Wir lassen dazu gerade eine Studie anfertigen.

Außerdem sprechen Sie davon, dass wir mehr Erlebnisorte für Nachhaltigkeit brauchen. Wie stellen Sie sich einen solchen Nachhaltigkeitspark vor?

Ich plane solche Orte ganz konkret mit meinen Projektpartnern und wir sind schon ziemlich nah dran den ersten Ort dieser Art zu eröffnen. Theoretisch über ein nachhaltiges Leben reden, macht nur die wenigsten Menschen an. Was funktioniert ist, wenn Menschen Nachhaltigkeit riechen, schmecken, fühlen können. Dann lecken Sie Blut und wollen diese Lebensweise in ihren Alltag integrieren. Was wir planen nenne ich gerne einen Erlebnisort mit Übernachtungsmöglichkeit. Alles an diesem Ort, an dem sich Einzelpersonen, Familien, Unternehmen und jede andere denkbare Gruppe einmieten kann, erzählt eine Geschichte und lässt sich ausprobieren. Angefangen bei den Unterkünften, über das Toilettenpapier aus einem Social Business bis hin zu neuen Mobilitätserfahrungen. Es ist wie ein Kaufhaus für Nachhaltigkeit, nur dass man erst mal nichts kaufen muss, sondern sich vom positiven Gefühl überzeugen soll.

Anfang 2020 haben Sie Ihr Buch „Going Green“ veröffentlicht. Wie war der Prozess ein eigenes Buch zu schreiben?

Ich bekam ab einem gewissen Zeitpunkt immer wieder Fragen gestellt: Wie hast Du das gemacht, wie hast Du das erlebt, was ist für Dich wirklich praktikabel. Ich hätte diese Fragen auch weiter beantwortet, es ging mir nicht darum, künftig auf ein Buch verweisen zu können. Ich habe nur gemerkt, dass es Interesse gibt an meinem Weg. Als Inspiration, nicht als Anleitung. Und auf dieser Basis haben der oekom Verlag und ich „Going Green“ veröffentlicht. Der Untertitel lautet: Warum man nicht perfekt sein muss, um das Klima zu schützen. Die Rückmeldungen sind insofern sensationell, weil die Leserinnen und Leser so dankbar dafür sind, dass ihnen mal jemand die Bürde der Perfektion nimmt und zeigt, dass das alles verdammt viel Spaß machen kann. Worin wir in Deutschland ganz gut sind, ist, Horrorszenarien an die Wand zu malen. Und natürlich kenne ich die alle und ich weiß, dass es genauso schlimm werden wird, wenn wir nicht endlich alle ins Handeln kommen. Aber wer hat schon mal mit schlechter Laune eine Veränderung herbeigeführt? Ich kenne wenige bis gar niemanden.

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An wen und mit welcher Message richtet sich das Buch?

Mein Buch richtet sich an die vielen Unentschlossenen, die es im Bereich der Nachhaltigkeit gibt. Den meisten Menschen ist bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Gleichzeitig haben Sie Angst vor Veränderung, vor Verzicht, vor Spaßverlust. Ich kann jedem nur sagen: Es ist das Gegenteil. Ein nachhaltigeres Leben ist Zugewinn, Lustgewinn. Noch nicht an allen Stellen, aber an sehr vielen. Und um hier auch mal über die Zivilbevölkerung hinaus zu gehen: Große Teile der Wirtschaft haben die Botschaft auch verstanden und sind längst viel weiter, als viele wissen. Diese ganzen Rolemodel-Geschichten gilt es zu erzählen, egal ob die von Privatmenschen oder von Unternehmen. Wir brauchen Vorbilder und wir brauchen Lösungen.

Haben Sie noch etwas, was Sie loswerden möchten?

Wir müssen mehr lachen beim Klimaschutz. Nicht, weil wir die Klimakrise nicht ernst nehmen, sondern weil es mit Lachen einfach besser geht. Und weil es irre viel Spaß macht Lösungen zu finden, Vorbild zu sein, Visionen zu kreieren. Umweltschutz muss sexy sein. Und das geht. Davon bin ich felsenfest überzeugt.

 

Vielen Dank für das Interview Frau Steeger!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Frau Steeger stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

 

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Du bist auch auf Sinnsuche? Dann schau mal hier vorbei: Sinn vor Gewinn – wähle den für dich richtigen beruflichen Weg.

Mehr zu GREEN Janine.

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Bildquelle: Janine Steeger

 



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