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Augen auf die Lücke! Das Wichtigste zur Gender Pay Gap

Die Gender Pay Gap rückt zunehmend in den Fokus gesellschaftlicher und politischer Debatten. Trotz dessen ist kein erheblicher Rückgang der Lohnlücke zu erkennen. Wie hoch die Differenz ist und welche Ursachen dafür bekannt sind, findest du in diesem Beitrag.

Die Gender Pay Gap rückt zunehmend in den Fokus gesellschaftlicher und politischer Debatten. Trotz dessen ist kein erheblicher Rückgang der Lohnlücke zu erkennen. Wie hoch die Differenz ist und welche Ursachen dafür bekannt sind, findest du in diesem Beitrag.

29.09.2022 | Ein Beitrag von Laura Hofschlag und Constanze Julita | Bild: Shutterstock

Frauen gehen wählen, können ein eigenes Bankkonto eröffnen, einen selbstgewählten Beruf ergreifen und straffrei abtreiben: Viele Erfolge aus dem Kampf der letzten 100 Jahre für die Gleichberechtigung sind heute selbstverständlich. Doch nach wie vor liegt das Ziel der vollkommenen Gleichberechtigung in weiter Ferne und die Diskriminierung von Frauen ist ein stetiges Thema. 

Ein Faktor für die Ungerechtigkeit: Die Gender Pay Gap. Diese beschreibt den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen. Ursachen, wie eine differenzierte Berufswahl und Anstellungsart zwischen den Geschlechtern, aber auch die Vereinbarung von Familie und Arbeit, spielen in das Phänomen der Gender Pay Gap hinein. Doch welche Maßnahmen können zur Überbrückung der Differenz ergriffen werden und wie sieht die aktuelle Situation in Deutschland aus? Diesen Fragen gehen wir auf den Grund. 

Was ist die Gender Pay Gap?

Die Gender Pay Gap vergleicht den durchschnittlichen Bruttoverdienst von Männern mit dem der Frauen. Sie zeigt also den prozentualen Lohnunterschied, der nach wie vor zwischen den Geschlechtern besteht. Immer öfter hört man auch die Begriffe „unbereinigte“ und „bereinigte Gender Pay Gap“. Die bereinigte Gender Pay Gap blickt auf den Lohnunterschied von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Berufen, Werdegängen und Erfahrungen. Hierbei werden im Unterschied zur unbereinigten Gender Pay Gap strukturell bedingte Ursachen herausgerechnet. 

Ursachen für die Ungleichheit

Die meisten Ursachen für die Gender Pay Gap beruhen auf traditionellen und stereotyp geprägten Ansichten. Folgende Faktoren sind dabei zu berücksichtigen: 

Eine differenzierte Berufswahl von Männern und Frauen

Obwohl die Ausbildungs- und Berufsstrukturen größtenteils geschlechtsneutral sind, besteht in der Gesellschaft immer noch das Gedankengerüst von „Männer-“ und „Frauenberufen“. Hinzu kommt, dass Berufe, welche häufig von Frauen gewählt werden, unterdurchschnittlich bezahlt sind. Das liegt erneut an subjektiven Ansichten. Berufe, die von Frauen dominiert werden, werden im Vergleich zu männerdominierten Berufen hinsichtlich ihres Ansehens unterbewertet. Das liegt erneut an subjektiven Ansichten. Allgemein wird die Leistungsfähigkeit von Frauen geringer eingeschätzt – das spiegelt sich auch anhand der Lohnhöhe wider.

Unterschiedliche Anstellungsarten

Zurückzuführen auf das traditionelle Rollenbild der sich kümmernden Mutterfigur und des arbeitenden Versorgers, arbeiten Frauen eher in Teilzeit und haben somit schlechtere Gehalts- und Aufstiegschancen. Die sogenannte „Care-Arbeit“, bei der sich die jeweilige, zumeist weibliche Person, um die familiäre Unterstützung und häusliche Pflege kümmert, ist mitverantwortlich für die Gender Pay Gap. 

Vereinbarung Familie und Arbeitsplatz

Frauen werden mittels der sogenannten „gläsernen Decke“ daran gehindert, in höhere Positionen aufzusteigen. Gegenüber weiblichen Angestellten hat die Unternehmensführung häufig Sorge, dass sie, aufgrund von Familien- und Kinderbetreuung, weniger leistungsfähig sind. Das zeigt auch das Gehalt: Im durchschnittlich typischen Alter der Familiengründung stagniert das Gehalt von Frauen. Darüber hinaus sind es oftmals Frauen, die ihre Karriere unterbrechen und für die Familienplanung gegenüber ihren Partnern zurückstecken. Selbst wenn sich Frau und Mann die Elternzeit gleich aufteilen oder der Vater die alleinige Elternzeit übernimmt, fällt die Mutter aufgrund des gesetzlichen Mutterschutzes mindestens 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und 8 Wochen nach der Geburt aus. 


Die Vereinbarung von Familie und Arbeit ist eine Ursache für die Gender Pay Gap (Bild: Shutterstock). 

Maßnahmen zur Vermeidung der Gender Pay Gap 

Auf unterschiedlichsten Ebenen lassen sich Maßnahmen zur Reduzierung der Gender Pay Gap finden. Mit zahlreichen Programmen wird auf EU-, Bundes-, Landes- aber auch kommunaler und betrieblicher Ebene versucht, dem Entgeltungleichgewicht entgegenzuwirken. Vor allem Frauenorganisationen, aber auch Gewerkschaften, fordern seit einigen Jahren, dass für äquivalente Arbeit auch ein gleicher Lohn zu zahlen ist, um die Lohndifferenzen zu verringern. Zudem bestehen deutschland- und EU-weit juristische Mittel, um gegen die Ungleichbehandlung vorzugehen. Insofern wurde besonders in den letzten Jahren der zivilgesellschaftliche, aber auch rechtliche Druck auf Politik und Wirtschaft in dieser Frage eindeutig erhöht. Allerdings hat die Politik aufgrund der Tarifautonomie nur bedingt Einfluss auf die Lohnbildung. Daher kommt den Tarifparteien eine übergeordnete Rolle zu, um für den Abbau einer geschlechtsspezifischen Lohnlücke zu sorgen. 

Zu den staatlichen Instrumenten zur Reduzierung der Gender Pay Gap gehören vor allem der Ausbau des Kinderbetreuungsangebots, die Versorgung mit Elterngeld und die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten, damit die Erwerbsunterbrechung von Frauen minimiert wird. Um das berufliche Spektrum von Mädchen zu erweitern und traditionelle Rollenbilder zu durchbrechen, werden außerdem Initiativen, wie „Girl’s Day“ oder „Komm nach MINT“  angeboten. 

Im Jahr 2021 hat die EU-Kommission einen Entwurf zur Entgegenwirkung der coronabedingten Verschlechterung der Gender Pay Gap veröffentlicht. Darin enthalten sind folgende Bedingungen: 

  • Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiter*innen müssen offenlegen, wie viel mehr Männer im Vergleich zu ihren Kolleginnen verdienen

  • Arbeitgeber*innen soll verboten werden, Bewerber*innen nach ihrem vorherigen Gehalt zu fragen

  • Die Auszahlung von Schadensersatz für benachteiligte Arbeitnehmer*innen


Maßnahmen, wie der Ausbau des Kinderbetreuungsangebots, können bei der Reduzierung der Lohnungleichheit helfen (Bild: Shutterstock). 

Aktueller Stand in Deutschland 

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die unbereinigte Gender Pay Gap im Jahr 2021 bei 18 Prozent. Damit blieb der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Weiterhin erhielten Frauen mit durchschnittlich 19,12 Euro einen um 4,08 Euro geringeren Bruttostundenverdienst als Männer mit 23,20 Euro. In den letzten 15 Jahren ging der geschlechtsspezifische Verdienstabstand in Deutschland zurück: Im Jahr 2006 lag er mit 23 Prozent noch 5 Prozentpunkte höher als 2021. 

Im europäischen Vergleich der 34 Länder ist zu erkennen, dass Deutschland mit dem dritthöchsten Platz eine auffallend große Gender Pay Gap aufweist. Allerdings muss auch beachtet werden, dass ein direkter Vergleich in den einzelnen europäischen Staaten nicht einfach ist. Im Allgemeinen sind bei der Interpretation der Entgeltlücke viele verschiedene länderspezifische Faktoren zu berücksichtigen. Zwar stellt die Gender Pay Gap einen wichtigen Indikator für die Schlechterstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt dar, allerdings ist eine niedrige Gender Pay Gap auch mit einer niedrigen Erwerbstätigenquote von Frauen in Verbindung zu bringen. Vor allem in Malta, Polen und Italien sind die Lohnungleichheiten niedrig, die Erwerbstätigenquote aber auch. 

Wie geht es weiter? 

Frauen muss weiterhin der Rücken gestärkt werden! Nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich sollte zukünftig noch mehr dazu beigetragen werden, dass die auf Tradition und Stereotypen beruhenden Ursachen bekämpft werden. Alte Gedankengerüste, die zur Schlechterstellung von Frauen im Beruf sowie zu Nachteilen bei der Vereinbarung von Familie und Arbeit beitragen, müssen mit grundlegenden Reformen abgeschafft werden. Die Betrachtung der Entwicklung der Gender Pay Gap der letzten beiden Jahre zeigt auffällig, wie stagnierend die Entwicklung der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen ist und wie viel in diesem Bereich noch getan werden muss. 

Dieser Beitrag wurde aktualisiert am 29.09.2022 und erstveröffentlicht am 08.03.2021. 

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