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Was macht einen Top Arbeitgeber aus?

Interview | Siegel sollen beweisen, welche top Qualitäten ein Unternehmen für dessen Mitarbeiter*innen bietet. Das Deutsche Institut für Qualitätsstandards und -prüfung e.V. gibt einen Einblick darüber, wie ein/e gute/r Arbeitgeber*in aussehen kann. 

Interview | Siegel sollen beweisen, welche top Qualitäten ein Unternehmen für dessen Mitarbeiter*innen bietet. Das Deutsche Institut für Qualitätsstandards und -prüfung e.V. gibt einen Einblick darüber, wie ein/e gute/r Arbeitgeber*in aussehen kann. 

04.06.2020 | Ein Interview geführt von Fenja Zingsheim

Die Qualitätssiegel und jegliche Zertifikate für gute Arbeitgeber*innen sollten bedacht vergeben werden. Herr Scharfenberg, Geschäftsführer der Zertifizierungsgesellschaft  (SQC-QualityCert) vom DIQP erklärt, welche Methoden sich dafür eignen und auf welche Faktoren geachtet wird.

JOBVERDE: Das Deutsche Institut für Qualitätsstandards und –prüfung e.V. (DIQP) vergibt Siegel an Unternehmen - welche sind das?

Herr Scharfenberg: Es gibt drei Oberkategorien an Qualitätssiegeln, welche das DIQP anbietet. Dabei handelt es sich zum einen um Arbeitgebersiegel wie „Top Arbeitgeber (DIQP)“, „Top Ausbildungsbetrieb (DIQP)“ und „Familienfreundlicher Arbeitgeber (DIQP)“ zum anderen um Servicesiegel. Dies sind unter anderem „Top Service (DIQP)“, „Kundenempfehlung (DIQP)“ und „Geprüfte Servicequalität (DIQP)“. Außerdem gibt es die Siegel „Nachhaltiges Unternehmen (DIQP)“ und „Klimaneutrales Unternehmen (DIQP)“.

Was unterscheidet ein DIQP Siegel von anderen Siegeln?

Es gibt viele verschiedene Siegel auf dem Markt und ich glaube viele Verbraucher*innen haben längst den Überblick verloren. Da gibt es selbst verliehene Siegel von Unternehmen, aber auch solche, die man einfach kaufen kann. Für mich hat das keinen Wert, denn es muss immer eine echte Bewertung stattfinden und zwar von denen die auch, betroffen sind. Alles andere kann ich persönlich leider nicht ernst nehmen.

Die richtige Zielgruppe zu befragen und den Unternehmen einen Mehrwert mit dem Ergebnis der passenden Befragung zu liefern, ist der Anspruch einer DIQP Zertifizierung und unterscheidet sich damit von vielen anderen.

Eine gute Orientierung für Verbraucher bietet das Portal label-online.de. Dieses bewertet Labels nach den Bereichen: Anspruch, Unabhängigkeit, Kontrolle und Transparenz. Die bestmögliche Bewertung für ein Label ist dort die Einstufung als „besonders empfehlenswert“. Das unabhängige Portal wird mit Mitteln des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert.

Alle von Label-online.de bewerteten Label des DIQP haben übrigens genau diese Auszeichnung als „besonders empfehlenswert“ erhalten. Diese Bewertung ist für uns ein echtes Qualitätskriterium, welches nicht viele im Bereich der Arbeitgebersiegel und Servicesiegel haben.

Sie zeichnen auch Top Arbeitgeber*innen aus. Was macht Ihren Kriterien zur Folge eine/n gute/n Arbeitgeber*in aus?

Wie haben eine Vielzahl an Kriterien, die wir berücksichtigen damit ein Unternehmen die Auszeichnung als "Top Arbeitgeber (DIQP)" erhalten kann. Dies reicht vom Arbeitsplatz bis zu den Arbeitsbedingungen und den Leistungen des Arbeitgebenden.

Einige Beispiele sind unter anderem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Karriere- und Aufstiegschancen. Aber auch flexible Arbeitszeiten und eine entsprechende Wertschätzung der Beschäftigten. Realistische Ziele und Handlungsspielräume werden ebenfalls berücksichtigt, genauso wie die Möglichkeit über Probleme oder problematische Themen offen zu sprechen und der Umgang der Führungskräfte mit den Beschäftigten.

Ein wichtiger Bereich sind auch die Leistungen des Unternehmens, die man heute als Fringe Benefits bezeichnet. Dies kann zum Beispiel ein Kitazuschuss oder Essenszuschuss, aber auch der kostenlose Besuch in einem Fitnessstudio oder ein Firmenwagen sein. Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten und eine sehr große Bandbreite.

Nie werden in jedem Unternehmen alle Punkte zu 100 % erfüllt sein. Vielmehr geht es um ein ausgewogenes Verhältnis, das "Top Arbeitgeber (DIQP)" von anderen Arbeitgeber*innen unterscheidet.

Wie prüfen Sie die Unternehmen auf Ihre Qualitäten?

Das kommt auf die jeweilige Zertifizierung an. Bei den Arbeitgebersiegeln entscheidet eine Mischung aus Mitarbeiter*innenbefragung und Leistungen der Arbeitgebenden über die Bewertung. Bei den Servicesiegeln entscheidet im Wesentlichen eine Kunde*innenbefragung über die Bewertung was durch Servicestandards und -prozesse ergänzt wird.

Wichtig ist es immer, die richtige Zielgruppe nach deren Meinung zu befragen. Bei einer Mitarbeiter*innenbefragung müssen immer alle Beschäftigen die Chance haben, an einer Befragung teilzunehmen.

Bei „Klimaneutrales Unternehmen (DIQP)“ müssen Unternehmen Nachweise zu den gemachten Angaben erbringen, welche von uns geprüft werden.

Was unterscheidet die Siegel „familienfreundlicher Arbeitgeber“ und „Top Ausbildungsbetrieb“ von dem allgemeinen „Top Arbeitgeber“?

Die Zertifizierungen ähneln sich vom Aufbau allerdings unterscheiden sich die Fragestellungen. „Familienfreundlicher Arbeitgeber (DIQP)“ legt seinen Schwerpunkt bei der Familienfreundlichkeit und den Angeboten der Arbeitgeber*innen für Familien.

Auch hier entscheiden aber wieder die Beschäftigten und die Leistungen der Arbeitgebenden. Bei „Top Ausbildungsbetrieb (DIQP)“ werden hingehen nur die Azubis und die ehemaligen Azubis befragt und die Leistungen des Ausbildungsbetriebs abgefragt.

Sie vergeben auch ein Nachhaltigkeitssiegel für Unternehmen. Welche Kriterien beachten Sie und wann ist ein Unternehmen für Sie nachhaltig?

Nachhaltigkeit besteht aus drei Bereichen (ökonomisch, ökologisch und sozial). Kurz gesagt geht es darum, wie gehe ich mit meinen Mitarbeiter*innen, meinen Kunde*innen und zum Bespiel den Ressourcen um. Wir haben uns dazu entschieden, auf die bestehenden Prozesse aufzusetzen und diese, um neue Aspekte zu erweitern.

Wenn ein Unternehmen „Nachhaltiges Unternehmen (DIQP)“ werden möchte, machen wir eine Mitarbeiter*innenbefragung, eine Kunde*innenbefragung und eine Nachhaltigkeitsbefragung welche das Unternehmen beantwortet. Wir bekommen so die Sichtweise aus verschiedenen Blickwinkeln.

Das DIQP ist eine private Non-Profit-Organisation - was bedeutet dies?

Das DIQP e.V. wurde von verschiedenen Unternehmen gegründet und ist genauso wie zum Beispiel das DIN e.V. (Deutsche Institut für Normung)  ein privater, eingetragener Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht. Das DIQP agiert dabei als Verein nur als Standardsetzer und die eigentliche Abwicklung der Zertifizierung findet durch SQC-QualityCert als Zertifizierungsgesellschaft statt.

Was unternimmt dann das SQC-QualityCert, um selbst ein/e Top Arbeitgeber*in zu sein?

Wir können uns natürlich nicht selbst zertifizieren, wir legen aber die gleichen Maßstäbe an uns selbst und engagieren uns darüber hinaus in verschiedensten Projekten. Mir persönlich ist als Familienvater die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig. Ich handele nicht nur aus der Norm des DIQP heraus als Top Arbeitgeber, sondern aus voller Überzeugung.

Ich kenne meine eigenen Vorstellungen und mir ist bewusst, wenn ich gute Mitarbeiter*innen haben möchte, gehört eine gute Bezahlung genauso dazu, wie eine entsprechende Wertschätzung und attraktive Zusatzleistungen. Dies kann zum Beispiel ein Homeoffice, aber auch der Kitazuschuss sein.

Viele Arbeitgeber*innen beklagen sich über zu wenige Bewerbungen, auf der anderen Seite würden regelmäßige und unabhängige Mitarbeiter*innenbefragungen vielen Unternehmen helfen, die Wünsche und Bedürfnisse der Beschäftigten zu erkennen, um gegenzusteuern.

Denken Sie, dass Sie auf vielen Ebenen Ihren eigenen Siegelkriterien entsprechen?

Davon bin ich absolut überzeugt. Wir haben eine sehr hohe Kundenzufriedenheit und engagieren uns zum Beispiel für den Umweltschutz. So kompensieren wir freiwillig 100% der nicht vermeidbaren CO2 Emissionen in Gold Standard Projekten und planen gerade die Anschaffung einer eigenen Photovoltaikanlage, um nachhaltig grünen Strom selber zu produzieren. Wir unterstützen gemeinnützige Vereine im Bereiche Umweltschutz und machen viele Schritte, die uns helfen den Betrieb ständig weiter zu entwickeln. Man wird nie fertig, da es immer etwas zu verbessern gibt. 

Wie können Interessierte bei Ihnen mitwirken?

Wenn ein neuer DIQP Standard entwickelt wird, sind interessierte Unternehmen, Verbände und Organisationen eingeladen, sich an der Entwicklung mit Mitarbeiter*innen und deren Know-how einzubringen. Die entsprechenden Termine und das Verfahren werden auf der Website unter www.diqp.eu und www.sqc-cert.de veröffentlicht.

 

Lies auch: 10 nachhaltige Arbeitgeber, die du kennen solltest

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Symbolbild: Unsplash



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