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Finanzielle Freiheit – Frugalismus und die FIRE-Bewegung

FIRE – Der Traum von finanzieller Unabhängigkeit und einem selbstbestimmten Leben.

FIRE – Der Traum von finanzieller Unabhängigkeit und einem selbstbestimmten Leben.

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05.10.2021 | Ein Beitrag von Nele Hofmann | Bild: Brooke Cagle, Unsplash

40-Stunden-Wochen, Schichtarbeit und Überstunden – das ist für viele Erwerbstätige Alltag. Schon früh wird Kindern vermittelt, wie ihr Leben auszusehen hat: Schule, Ausbildung oder Studium, Arbeiten, Rente. Die Zeitspanne der Arbeitsleistung sollte dabei im Idealfall mindestens 40 Jahre betragen. Das ist der normale Standard in Deutschland – und damit geben sich die meisten Menschen auch zufrieden. Die FIRE-Bewegung kehrt diese Denkweise um und erfährt dabei eine steigende Beliebtheit auf der ganzen Welt. Was es mit dem Thema auf sich hat und was Frugalismus in diesem Zusammenhang eigentlich bedeutet erfährst du in diesem Beitrag.

FIRE – was ist das?

Der Begriff FIRE steht für Financial Independance (FI), Retire Early (RE) – finanzielle Unabhängigkeit, frühe Rente bzw. Ruhestand. Die Bewegung entstand bereits Anfang der 90er-Jahre in den USA. So richtig populär wurde sie aber erst seit dem Jahr 2007 infolge der Weltfinanzkrise und ist heute auch in Deutschland ein großes Thema. Dahinter steckt eine Lebensweise, bei der man möglichst früh aus der Arbeitswelt aussteigt – und von den Ersparnissen finanziell unabhängig leben kann. Auf zehn bis 20 Jahre harte Arbeit, Sparen und Investieren folgt also eine Phase, in der du das Leben einfach genießen kannst. Klingt erst einmal nach einer spannenden Idee. Doch wie funktioniert das genau?

Was bedeutet Frugalismus?

Eine Voraussetzung für FIRE ist der sogenannte Frugalismus. Abgeleitet aus dem Lateinischen Wort „frugalis“, bedeutet Frugalismus auf Deutsch so viel wie „genügsam“ oder „sparsam“. Anfangs stand hinter der Frugalismus-Bewegung die Idee, möglichst ressourcenschonend zu leben und den eigenen ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten – also wenig zu konsumieren und Geld zurückzulegen. Heute soll es dabei viel mehr um ein selbstbestimmtes Leben ohne finanzielle Abhängigkeit von Arbeitgeber*innen gehen – wobei wir wieder bei FIRE sind. Der Nachhaltigkeitsgedanke geht damit aber natürlich auch Hand in Hand.

Gerade die jüngere Generation beschäftigt sich in zunehmendem Maße mit Geldanlagen, um mit dem Ersparten möglichst früh zusätzliches passives Einkommen zu generieren. Im Folgenden zeigen wir dir, wie die einzelnen Schritte hin zum finanziell unabhängigen Leben gelingen.

1. Sparsamkeit

Wie leben Frugalisten aber nun konkret? In erster Linie entscheiden sie sich bewusst gegen ständigen Konsum und investieren nur in Dinge, die sie auch wirklich brauchen. Das hat nicht direkt etwas mit Verzicht zu tun. Frugalisten haben generell eine andere Einstellung zum Leben und brauchen wenig bis keine materiellen Besitztümer. Man sollte sich also vorher bereits bewusst darüber werden, ob dieser Lifestyle für einen selbst überhaupt in Frage kommt – jeder Mensch ist anders und auch anders sozialisiert. Andererseits ist es natürlich immer einen Versuch wert, Angewohnheiten zu ändern und einen minimalistischeren Lebensweg zu gehen – was daneben übrigens auch eher dem Gedanken der Nachhaltigkeit entspricht. Denn wenn wir mal ehrlich sind: In den wohlhabenderen Ländern besitzen die meisten Menschen haufenweise Kram, für den sie seit Jahren keinerlei Verwendung finden. Eine gute Regel für Kleidung lautet etwa: Wenn du es seit einem Jahr nicht mehr getragen hast, kann es weg. Durch den Verkauf verdienst du zudem gleich noch eine Kleinigkeit dazu.

Geld in Glas

Durch das Vermeiden von unnötigen Ausgaben kann relativ schnell viel Geld gespart werden (Bild: Michael Longmire, Unsplash).

Generell gibt es viele spannende Tipps und Tricks, mit welchen man relativ einfach unnötige Ausgaben einsparen kann. Dazu gehören schon simple Handlungen wie das Einkaufen von Sonderangeboten. Aber auch alltägliche Angewohnheiten, wie das Festlegen eines bestimmten Geldbetrags der pro Woche ausgegeben werden darf, gehören dazu. Somit hat das Leben im Frugalismus natürlich auch viel mit Selbstkontrolle zu tun - und ist einigen vielleicht zu anstrengend. Denn laufende Verträge und Versicherungen müssen ständig im Blick behalten werden, um immer die günstigsten Angebote zu finden. Die Liste der Sparmöglichkeiten ist lang – wenn man sich erst einmal mit der Thematik auseinandersetzt merkt man schnell, was eigentlich alles möglich wäre.

Da es den meisten Menschen erst einmal einfacher fällt, die eigenen Ausgaben einzuschränken, als von heute auf morgen mehr Geld zu generieren, bietet sich „Lean Fire“ an, also die „Verschlankung“ des Konsums. Doch das alleine reicht meist noch nicht aus.

2. Hart arbeiten und investieren

In den ersten 10 bis 20 Jahren der Erwerbstätigkeit wird gearbeitet. Frugalisten versuchen in dieser Zeit, ein möglichst hohes Einkommen zu erzielen. Die monatliche Sparquote von 50 bis 70 Prozent wird gleichzeitig bereits investiert, sodass ein stetiger Zufluss durch Zinsen und Dividenden entsteht. Dieser Vorgang wird als „Fat Fire“ bezeichnet, da die Rendite möglichst „fett“ ausfallen soll. Investitionsmöglichkeiten sind Einzelaktien wie Aktienfonds, ETF-Portfolios -  aber auch Immobilien erfahren eine immer größer werdende Beliebtheit bei Geldanleger*innen. Das Gespräch mit Expert*innen zu suchen, ist bei diesem komplexen Thema sehr ratsam. Gerade deshalb, da Geldanlagen auch immer mit einem mehr oder minder großen Risiko behaftet sind. Am Ende soll sich das Geld möglichst selbstständig vermehren und ein großes passives Einkommen generieren.

Handy und Laptop

Geldanlagen in Aktien werden gerade bei jungen Menschen immer attraktiver (Bild: Unsplash).

Das Wichtigste ist es, seine Ausgaben und Einnahmen genau zu kennen und zu dokumentieren. Das Gleiche gilt für alle Investitionen – gerade Anfänger*innen fällt es dabei oft nicht leicht, die passenden Anlageformen zu finden.

3. Frührente

So ist es Frugalisten möglich, mit ca. 40 oder auch schon 30 Jahren aus der Erwerbstätigkeit auszusteigen und vom Ersparten zu leben. Dabei kommt es natürlich darauf an, wie viel passives Einkommen generiert werden kann, wie hoch die eigenen Ausgaben und die Sparquote sind. Die sogenannte 4%-Regel ist das Fundament für Frugalisten. Vom angelegten Vermögen kann man jährlich etwa 4% entnehmen und für das Leben nutzen. Das funktioniert natürlich nur durch einen stetigen Zufluss von Zinsen und Dividenden. Um herauszufinden, wie viel du in der frühzeitigen Rente benötigst, kannst du deine gesamten jährlichen Ausgaben addieren und mit 25 multiplizieren.

Ist FIRE realistisch?

Man kann ganz klar sagen, dass Besserverdiener*innen hier im Vorteil sind. Macht ja auch Sinn: Wenn du von Anfang an viel verdienst, kannst du viel Geld sparen und anlegen. Doch auch bei verhältnismäßig großem Vermögen ist das Leben als Frugalist durchaus risikobelastet.

Zwei ältere Menschen auf einer Bank

Man kann sich nie sicher sein, was das Leben noch bereit hält (Bild: Matthew Bennett).

Manchmal birgt das Leben nämlich auch unvorhersehbare Ausgaben, wie zum Beispiel bei Erkrankungen oder Unfällen, Renovierungsarbeiten oder wichtigen Reparaturen. Je größer die Familie ist, desto risikoreicher wird das Ganze natürlich. Außerdem, kann man nicht mit Gewissheit sagen, wie viele Jahre das Geld im Endeffekt reichen soll – und ab dem Zeitpunkt des Ausstiegs aus dem Berufsleben wird auch keine zusätzliche Altersvorsorge mehr aufgebaut. So ist das Risiko der Altersarmut definitiv nicht gering – dessen sollte sich jeder Frugalist bewusst sein.

FIRE und Frugalismus heute

Früher oder später wird jede*r, der/die sich finanzielle Unabhängigkeit wünscht, auf die FIRE-Bewegung stoßen. Doch sind damit immer noch dieselben Werte gemeint, wie damals in den 90er Jahren? Bei der Recherche zum Thema, stößt man auf alle möglichen Blogs, Videos, Bücher, Podcasts und Coaches, die Interessierte beraten möchten. Viele Frugalisten teilen auf diese Weise ihre Erfahrungen, geben Tipps und verdienen so natürlich auch den ein oder anderen Cent dazu. Immer häufiger steht also das FI von FIRE im Vordergrund: die finanzielle Unabhängigkeit. Währenddessen verliert das RE, also die frühzeitige Rente bzw. der frühzeitige Ruhestand, immer mehr an Bedeutung. Selbsternannte Frugalisten arbeiten mit ihren Werbeanzeigen und Co. meist rund um die Uhr und man kann nicht wirklich von einem Leben ohne Arbeit sprechen. Es gibt viele Kritiker*innen an dieser modernen Bewegung, da FIRE ursprünglich nichts mit aggressivem Marketing zu tun hatte – sondern damit, selbst bestimmen zu können, was für eine*n „genug“ bedeutet.

Seit einigen Jahren wird FIRE also unter dem Aspekt betrachtet, einfach so viel Geld zu verdienen und zu vermehren, um theoretisch finanziell unabhängig zu sein. Aber trotzdem hat das letztendlich nicht viel mit einem selbstbestimmten Leben zu tun, da man zumeist trotzdem in Abhängigkeitsverhältnissen festhängt und das Geld immer weiter vermehren möchte. „9-to-5-Jobs“ sind also häufig nach wie vor Normalfall.

Letztendlich ist es ja auch so: Wege ändern sich, während man sie geht. Ob man nun im Sinne der klassischen FIRE-Bewegung leben möchte, oder eben eine neue Richtung einschlägt – das muss jede*r für sich selbst entscheiden. Eine schöne und spannende Vorstellung bleibt das Leben in Unabhängigkeit allemal.

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