Was hat Bionik mit grünen Jobs zu tun
Kandidaten und Querdenker

Was hat Bionik mit grünen Jobs zu tun?

Der Begriff Bionik verbindet Biologie und Technik und beschreibt das kreative Umsetzen von Funktionsprinzipien aus der Biologie in die Technik. Was Bionik genau ist und was ihre Ziele sind, das erklärt Dr. Rainer Erb, Geschäftsführer des Bionik Kompetenznetzes e. V. (BIOKON) im Interview mit JOBVERDE.

Der Begriff Bionik verbindet Biologie und Technik und beschreibt das kreative Umsetzen von Funktionsprinzipien aus der Biologie in die Technik. Was Bionik genau ist und was ihre Ziele sind, das erklärt Dr. Rainer Erb, Geschäftsführer des Bionik Kompetenznetzes e. V. (BIOKON) im Interview mit JOBVERDE.

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15.10.2018

JOBVERDE: Herr Dr. Erb, stellen Sie Bionik bitte einmal kurz vor.  

 

Dr. Rainer Erb: Der Begriff Bionik verbindet Biologie und Technik und beschreibt das kreative Umsetzen von Funktionsprinzipien aus der Biologie in die Technik. Die wohl bekanntesten Beispiele dafür liefern der Klettverschluss und der Lotuseffekt. Bionik ist dabei alles andere als eine „Blümchenwissenschaft“. Sie ist vielmehr der „Think Tank“ der Hightech-Forschung und heute gefragt wie nie. Denn sie spielt mit Hilfe der Natur und mit allen erdenklichen Algorithmen die gesamte Innovationsklaviatur. Mit 3,8 Milliarden Jahren Evolutions-Optimierungserfahrung hat sie die Messlatte extrem hoch gelegt. Davon können wir alle profitieren.

Was sind die Ziele von Bionik und in wie weit handelt Bionik nachhaltig?

Die Übertragung von Phänomenen der Natur in die Technik hat in unserer Lebenswirklichkeit längst ihren Platz gefunden. Bionik tritt hier als Ideengeber und Innovationsmotor für Technik, Wirtschaft und Gesellschaft auf. Möglich wird dies durch interdisziplinare Innovationspartnerschaften, die immer auf den Wissenszuwachs und die Wettbewerbsfähigkeit all ihrer Partner zielen. Dazu arbeiten Biolog*innen eng mit Ingenieur*innen, Architekt*innen, Physiker*innen, Chemiker*innen und Materialforscher*innen zusammen. Bioniker*innen nutzen für das „Neuerfinden“ technischer Innovationen das nahezu unerschöpfliche Reservoir an biologischen Strukturen, Prozessen und oft überraschenden funktionalen Lösungen, die in Millionen von Jahren evolutionärer Entwicklung erprobt und optimiert wurden. Damit ist die Bionik noch nicht automatisch nachhaltig, sie ebnet jedoch immer wieder Wege in die Nachhaltigkeit. Der Grund: Der Maßstab für den Erfolg ist in der Natur das Überleben. Die Natur sieht dabei die Bedrohung eines Organismus als Normalfall nicht als Ausnahme an. Er muss also immer effizient mit seinen Ressourcen umgehen und auf Krisen reagieren können. Wer nur auf kurzfristige Erfolge, wie den Shareholder Value, schaut, hätte in der Natur keinen nachhaltigen Erfolg. Dort geht es immer darum, die eigene Überlebensstrategie auf nachfolgende Generationen auszurichten. Das ist Nachhaltigkeit im besten Sinne.

Gibt es Unternehmen, die hier Beispiele liefern?

Viele Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen nutzen diesen Vorsprung bereits für ihre eigene technologische Forschung und Entwicklung: Anlagen- und Maschinenbauer, wie zum Beispiel Voith-Turbo, Unternehmen aus der Produktions- und Automatisierungstechnik wie Festo, Automobilhersteller und -zulieferer wie Brose, die Schifffahrt- und Flugzeugindustrie, beispielsweise Airbus, Medizin- und Orthopädietechnikspezialisten wie Ottobock und viele andere mehr. Im engen Verbund mit der Wissenschaft legen Unternehmen herausragende, zum Teil revolutionäre Innovationen in Gestalt von neuen Produkten und Prozessen auf, die das Zeug haben, ihren Branchen und Märkten ganz neue Richtungen zu weisen. In unserem deutschlandweiten Netzwerk, BIOKON, führen wir die unterschiedlichsten Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft so zusammen, dass sie im Netzwerk zu funktionierenden Innovationspartnerschaften finden.

Was bedeutet für Sie Innovation und wie möchten Sie diese fördern?

Ein schönes Beispiel liefert dafür eine ressourceneffiziente bionische Innovation für die Schifffahrt nach dem Vorbild der Haihaut. Den Schiffsrumpf eines mittelgroßen Containerschiffs der Panamax-Klasse mit einem bionisch entwickelten giftfreien Antifouling-Lack zu streichen, entlastet nicht nur die Umwelt, sondern führt auch zu einer signifikanten Treibstoffersparnis von 40 Prozent. Weil sich durch den bionischen Anstrich keine bremsenden organischen Substanzen am Schiffsrumpf ansiedeln können, lassen sich die Treibstoffkosten eines solchen Schiffes pro Tag um bis zu 30.000 US-Dollar reduzieren, das sind neun Millionen pro Jahr – für nur ein einzelnes Schiff. Daraus ergeben sich gute Gründe für diese ökonomisch und ökologisch motivierte, innovative Variante der Bionik. Als Bioniker arbeiten wir jeden Tag daran, die unerschöpflichen Potenziale der Natur zu entschlüsseln und in innovative, nachhaltige Produkte und Technologien zu überführen. Das Beispiel aus der Schifffahrt zeigt, dass sich daraus neue Chancen ergeben: für bessere Produkte, andere Produktionsweisen und auch eine neue Qualität von Jobs im „grünen Bereich“, die grün, nachhaltig und sinnvoll sind – und deswegen zukunftssicher. Und genau um diese geht es z.B. in unserem Ausstellungsprojekt Green Up Your Future. Allerdings zeigt das Beispiel auch, dass der Weg dorthin steinig ist. Solange giftige Anti-Fouling-Anstriche bei Schiffen günstiger zu haben sind und auch einfach bekannt und „etabliert“ sind, müssen die nachhaltigen bionischen Lösungen hart um ihre Marktdurchdringung ringen. Nachhaltigkeit ist eben kein Selbstläufer.

Bitte stellen Sie das Projekt Green Up Your Future kurz vor.

Green Up Your Future ist eine Ausstellung von BIOKON – Forschungsgemeinschaft Bionik-Kompetenznetz e.V. – und der Green Economy Academy e.V., sie wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union. Wir wollen mit der barrierefreien, interaktiven Wanderausstellung jungen Menschen in der Berufsorientierung zeigen, wie die Bionik aus den faszinierenden Vorbildern der Natur überraschende und zukunftsweisende technische Lösungen macht. Diese öffnen Türen zu faszinierenden Berufen mit Zukunft. Die Ausstellung tourt dazu seit 2017 durch Deutschland und macht dabei die Berufsorientierung für Schüler*innen und Studierende sowohl Indoor als auch Outdoor auf spannende Weiseerfahrbar. Mit Greening verbinden sich dabei Spaß und ein attraktives Online-Medienerlebnis – ganz nach dem Geschmack und den Kommunikationserwartungen der jungen Zielgruppe. Augmented Reality und temporeiches multimediales Storytelling gehören genauso dazu, wie Infotainment zu Themen aus der Bionik und Jobs aus der Welt der Green Economy. Besonderen Mehrwert bietet dabei eine Datenbank mit über 350 grünen Berufen. Alle Inhalte und Erlebnisse der Ausstellung lassen sich über Social Media teilen und laden ein zum Dialog innerhalb der Zielgruppe sowie mit Jobanbietern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung.

Wer ist die Zielgruppe von Green Up Your Future?

Die Ausstellung will junge Menschen im Alter von zirka 15 bis 25 Jahren für das Thema Greening und zukunftsfähige Jobs begeistern. Neben faszinierenden Bionik-Exponaten in der Indoor-Ausstellung finden diese in einer einladenden Ausstellungsarchitektur ein maßgeschneidertes, spannendes Online-Storytelling im virtuellen Raum. So holen wir die Jugendlichen mit der Ausstellung dort ab, wo sie ohnehin freiwillig viel Zeit verbringen: mit ihrem Smartphone. Sie können dann ihre virtuellen Erlebnisse gleich in den sozialen Medien teilen. Nach dem Anreiz zum Spielen mit dem mobilen Endgerät werden die Jugendlichen auf die Website http://www.green-up-your-future.de/ geführt. Hier wartet dann auch nicht der erhobene Öko-Zeigefinger, sondern 15 multimediale Storys von realen Auszubildenden und Studierenden in grünen Berufen. Angesprochen sind neben den Jugendlichen aber auch Eltern, Lehrer*innen, Ausbilder*innen oder Jobberater*innen. Eben all die, die in den Berufsorientierungsprozess junger Menschen involviert sind.

Wie hilft „Green Up Your Future“ Schülern und jungen Erwachsenen dabei den richtigen Beruf zu finden?

Die Wanderausstellung bietet über die Faszination Bionik einen niederschwelligen Einstieg in eine breit angelegte Berufsorientierung mit Greening-Perspektiven. Über das Smartphone, Augmented Reality und eine intuitive User-Journey können sich die jungen Besucher*innen auf spielerische Weise ein weites Spektrum unterschiedlichster Berufe und Studiengänge erschließen. Hinzu kommen ausstellungsbegleitende Veranstaltungsangebote der Green Economy Academy, die vertiefende Informationen vermitteln und den Dialog mit den Zielgruppen befördern. All dies kommt bei den jungen Leuten sehr gut an. Auf der Stuzubi 2017 in Berlin kürten die Schüler*innen Green Up Your Future zur informativsten Ausstellung auf der ganzen Karrieremesse.

Welche Jobs bietet das Projekt an?

Die Wanderausstellung bietet selbst keine Jobs an. Es geht uns darum, Jobs und mögliche Jobprofile mit Greening-Perspektive erlebbar zu machen. Viele junge Menschen können in der Berufs- und Studienorientierung schnell mal das Gefühl bekommen zu „schwimmen“ und nicht recht zu wissen, welche Möglichkeiten es für sie überhaupt gibt. Eine kaufmännische oder handwerkliche Ausbildung, BWL, Jura oder was auf Lehramt studieren – danach erschöpft sich die Vorstellungskraft leider oft ganz schnell. Umso überraschender finden es dann unsere Ausstellungsbesucher*innen, wenn sie ganz andere Berufsbilder am Beispiel Gleichaltriger quasi „live“ erleben und dann auch noch auf unsere Jobdatenbank mit über 350 unterschiedlichen Berufsprofilen aus dem überraschend weiten Feld der Green Economy stoßen.

Wo kann man Green Up Your Future kennenlernen?

Das wichtigste Tor zum Greening von Berufen und zu unseren Storys ist die Website: www.green-up-your-future.de. Hier gibt es alle Informationen rund um die Wanderausstellung, viele Videos und Reportagen, einen Blog und sämtliche Tourdaten. Als nächstes wird die Ausstellung Station in Frankfurt am Main (vom 22. bis 29.9. bei Infraserv) machen. Dann geht es nach Bremen (04.10. bis 26.11 an der Hochschule Bremen) und nach Hanau (29.11. bis 21.12. Hohe Landesschule).

Zur Person:

Dr. Rainer Erb hat mit Biotechnologie an der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig eine interdisziplinäre Ausbildung in den Natur- und Ingenieurwissenschaften absolviert. Der promovierte Naturwissenschaftler ist Geschäftsführer des Bionik Kompetenznetzes e. V. (BIOKON) sowie von BIOKON international, der internationalen Dachorganisation der nationalen Bionik-Netze. Die Mission: Bionik als Ideengeber und Innovationsmotor für Technik, Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen.



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