Würde: Die ethische Seite der Nachhaltigkeit
Kandidaten und Querdenker

Würde: Die ethische Seite der Nachhaltigkeit

Beim Streben nach Gewinnmaximierung bleibt die Würde in Unternehmen oft auf der Strecke. Begriffe wie Erwerbungen, Zinsen, Anteile und Profite prägten das Denken von Managern und Führungskräften. Aber wo bleibt die Würde? Gerald Hüther, der zu Deutschlands bekanntesten Hirnforschern gehört und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung ist, hat dazu ein beachtliches Buch geschrieben.

Beim Streben nach Gewinnmaximierung bleibt die Würde in Unternehmen oft auf der Strecke. Begriffe wie Erwerbungen, Zinsen, Anteile und Profite prägten das Denken von Managern und Führungskräften. Aber wo bleibt die Würde? Gerald Hüther, der zu Deutschlands bekanntesten Hirnforschern gehört und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung ist, hat dazu ein beachtliches Buch geschrieben.

23.04.2018 - Ein Gastbeitrag von Dr. Alexandra Hildebrandt, Foto: Symbolbild © Pexels

Darin zeigt er, dass die Vorstellung der eigenen Würde tief verwurzelt und eingebettet in die innere Überzeugung von dem ist, „was uns als Menschen auszeichnet und worin unser eigentliches Menschsein im eigenen Handeln zum Ausdruck kommt.“

Er zeigt, dass die Würde des Menschen nur dann unantastbar ist, wenn sich Menschen ihrer eigenen Würde auch bewusst geworden sind. Erst dann sind sie nicht mehr verführbar. Die Vorstellung von der Würde eines jeden Menschen ist für ihn die entscheidende Voraussetzung für den Aufbau und den Fortbestand jeder demokratischen Gesellschaft. Es gibt viele Bücher über Nachhaltigkeit, aber kaum eines, das so tief im Menschen selbst ansetzt und seinen Zustand in gesellschaftlichen und globalen Zusammenhängen spiegelt: Das Ausmaß der durch kurzfristige Lösungen von uns erzeugten langfristigen Probleme ist jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, „so unübersehbar und so selbstzerstörerisch geworden, dass uns nun nichts anderes mehr übrig bleibt, als unsere Aktivitäten künftig an solchen Vorstellungen zu orientieren, die das Leben und das Zusammenleben von Menschen langfristig und nachhaltig erfreulicher machen.“ Da wir jedoch erst am eigenen Leib und auf globaler Ebene erfahren müssen, welche Gefahren mit dieser Kurzsichtigkeit verbunden ist, braucht es sehr viel Zeit, „bis wir ernsthaft beginnen, nach einer solchen, langfristig ausgerichteten gemeinsamen Orientierung zu suchen.“

Kurzfristig kann – wie sich vor allem im Unternehmenskontext und in der Politik zeigt – Anstandslosigkeit, das würdelose Verhalten von Führungskräften und Managern (die noch keine eigene Würde entwickelt haben), eine erfolgreiche Strategie sein. Einfluss, Macht, Besitz und eigene Vorteile sowie Gewinne auf Kosten anderer sind ihnen wichtiger als friedvolles Kooperieren. Nachhaltig löst das unsere Probleme nicht. Leider halten anständige (würdevolle) Menschen oft lieber still und denken sich ihren Teil. Doch indem „diese besonderen Personen im Bewusstsein ihrer eigenen unverletzbaren Würde so ruhig bleiben, überlassen sie zwangsläufig all jenen das Setzen von Maßstäben und die Durchsetzung ihrer jeweiligen Interessen, die in Ermangelung eines solchen Bewusstseins am lautesten kundtun, worauf es ihrer Meinung nach ankommt.“ Genau deshalb können sie sich so gut durchsetzen und ihre Interessen rücksichtslos verfolgen.

Wer sich seiner Würde bewusst ist, darf deshalb nicht still halten. Es ist dringlich, „es nicht länger als unter seiner Würde zu betrachten, öffentlich Stellung zu beziehen, auszusprechen, was man so nicht länger hinzunehmen bereit ist, und im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass die Würde von Menschen nicht länger mit Füßen getreten, verletzt und untergraben wird.“

Nachhaltigkeit hat auch eine ethische Dimension

Es ist auch ein Buch, das Hüthers Weg zur Nachhaltigkeit zeigt: So ist ihm der Bestseller „Silent Spring“ (Der stumme Frühling) aus dem Jahr 1962 von der amerikanischen Biologin Rachel Louise Carson  in besonderer Erinnerung geblieben, das damals den Beginn der weltweiten Umweltbewegung markierte. Vor einigen Jahren sah er die beiden Dokumentarfilme des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer: „Lets make money“ und „We feed the world“. Hier fand er viele seiner Einsichten bestätigt: wie es bei globalen Geschäften im Finanzsystem und bei weltweit operierenden Konzernen der Lebensmittelbranche zugeht.

Die Verantwortlichen für die hinterlistigen Finanztransaktionen und die weltmarktbeherrschenden Nahrungsmittelkonzerne „waren im formalen Sinn“ sehr gebildete Menschen. Sie besuchten die besten Schulen und schlossen sie mit den besten Examina ab, studierten an den renommierten Universitäten und erwarben hier ebenfalls ausgezeichnete akademische Abschlüsse. Doch was sie hier erwarben, hatte nichts mit Bildung zu tun. Mit diesen Kenntnissen machten sie andere zu Objekten und benutzten sie zur Gewinnmaximierung.

In seinem Garten fragte er sich unter einem Baum: Wenn all das, was bisher versucht wurde, nicht funktioniert, wie geht es dann? Dabei ist er auf den inneren Kompass gestoßen, „der uns dabei hilft, nicht nur so zu handeln, dass andere dadurch nicht verletzt werden, sondern wir uns dabei nicht selbst verletzen: unsere Würde.“

Hüther versteht es wie nur wenige Wissenschaftler, die Empfänger seiner Informationen und Erkenntnisse wirklich zu berühren. Das ist auch ein wesentlicher Aspekt der Nachhaltigkeitskommunikation. Leider ist sie aufgrund der sehr sachlichen und häufig wissenschaftlichen Grundlagen für die meisten Menschen unverständlich. Sie muss näher an die Menschen heranrücken, Nachhaltigkeit muss einfach erklärt und verständlich sein.

„Gerade in der Kommunikation von ökologisch und sozial verträglichen Produkten ist es wichtig, dem Verbraucher zu erklären, warum dieses Produkt besser als ein herkömmliches ist. Wenn es um unabhängige und zuverlässige Umweltzeichen und Labels geht, ist es gerade ebenso wichtig, deutlich zu machen, warum sie sich von ‚hausgemachten‘, unternehmenseigenen Labels, die meist nur ‚Greenwashing‘ sind, unterscheiden“, sagt Claudia Silber, die beim Öko-Pionier memo AG die Unternehmenskommunikation leitet. Sie ist die Schnittstelle zwischen dem Unternehmen und allen Medien und orientiert sich in ihrer Arbeit an den sieben Selbstverpflichtungen, die die Ethikkommission des Deutschen Rats für Public Relations 1991 verabschiedet hat. Es ist ein großes Verdienst des aktuellen Buches von Gerald Hüther, auch die ethische Seite der Nachhaltigkeit zu zeigen, die das Konsumverhalten nicht vernachlässigt.

Das zeichnet würdevolle Menschen nach Gerald Hüther aus: 

  • Sie sind nachhaltige Konsumenten, die auf die Einhaltung von Sozialstandards und ökologische Herstellungsprozesse achten.
  • Sie haben die Vorstellung von einem würdevollen Leben in ihr Bewusstsein gehoben, sind sich ihrer Würde bewusst – und nicht (mehr) verführbar.
  • Sie haben ein inneres Bild davon entwickelt, wer sie sein wollen.
  • Sie möchten im gesellschaftlichen Leben Orientierung und Sicherheit gewinnen.
  • Sie sind achtsam und umsichtig.
  • Sie nehmen von anderen Menschen nichts an, was die Würde anderer verletzen würde.
  • Sie erleben sich aus sich selbst heraus als wertvoll und leiden nicht an einem Mangel an Bedeutsamkeit.

Literatur:

Gerald Hüther: Würde. Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft. Mitarbeit Uli Hauser. Albrecht Knaus Verlag, München 2018.

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