Nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema: Weiterbildung im Bereich CSR Management
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Nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema: Weiterbildung im Bereich CSR Management

INTERVIEW | Einen Master in Nachhaltigkeitsmanagement absolvieren, ohne den eigenen Beruf aufzugeben – das ermöglicht ein spezielles Qualifizierungsangebot der  Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Benjamin Nölting leitet den Studiengang seit 2014.

INTERVIEW | Einen Master in Nachhaltigkeitsmanagement absolvieren, ohne den eigenen Beruf aufzugeben – das ermöglicht ein spezielles Qualifizierungsangebot der  Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Benjamin Nölting leitet den Studiengang seit 2014.

30.05.2017 - das Interview führte Hanna Lohoff

JOBVERDE: Sie leiten das berufsbegleitende Qualifizierungsangebot Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement an der HNE Eberswalde. Wie bereitet der Studiengang die Studierenden auf den Berufsalltag im Bereich CSR Management vor?

Benjamin Nölting: Die Teilnehmer*innen trainieren, passgenaue und robuste Nachhaltigkeitsstrategien für ihre Organisation zu entwickeln und praktisch umzusetzen – auch gegen Widerstände. Sie lernen, Ansatzpunkte für einen Organisationswandel zu identifizieren, eine Nachhaltigkeitstransformation vorzudenken und die Umsetzungsprozesse zu gestalten. Die Studierenden können nachhaltige Geschäftsideen oder Organisationsziele entwickeln, die zu einer Nachhaltigkeitstransformation beitragen. Es geht uns stärker um Nachhaltigkeitsinnovationen als um operatives Management. Voraussetzungen dafür sind ein ganzheitlicher, systemischer Ansatz, interdisziplinäres Denken und eine Auseinandersetzung mit ethischen Fragen nachhaltiger Entwicklung.

CSR Manager sind häufig Betriebswissenschaftler oder Quereinsteiger. Aus welchen Bereichen kommen die Studierenden Ihres Qualifizierungsangebotes?

Der fachliche und berufliche Hintergrund der Teilnehmer*innen ist sehr breit gefächert: Die Studienfächer sind Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften, Verwaltungswissenschaften, Jura, Ingenieurwissenschaften oder Ökologie und sie arbeiten in ganz verschiedene Branchen wie Energie, Lebensmittel, Tourismus, Automobil, Chemie etc. in großen und mittleren Unternehmen, weiterhin sind Selbständige, Berater*innen sowie Mitarbeiter*innen aus Verwaltungen und NGO dabei. Damit bilden die Teilnehmer*innen in den Kursen gesellschaftliche Vielfalt ab und bringen sehr viel Berufserfahrung mit. Sie lassen sich mit dem Motto „Gestaltungsinteresse sucht Gestaltungskompetenz“ charakterisieren.

Im Gegensatz zu Masterstudiengängen und Weiterbildungsmöglichkeiten ist das Angebot an Bachelorstudiengängen im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement und CSR derzeit noch nicht sehr ausgebaut. Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, Grundstudiengänge anzubieten, die einen Fokus auf CSR Management legen?

Ein fachliches Standbein ist wichtig und die Basis für inter- und transdisziplinäres Denken. CSR Management kann gerne häufiger Teil der Bachelorausbildung sein, aber eine Schwerpunktbildung allein darauf halte ich für zu früh. Wichtiger ist es, nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema in möglichst vielen (Wirtschafts-)Studiengängen zu verankern. Es geht um die globale Perspektive und den langen Zeithorizont. Dadurch ist ein ganz anderer Blick auf das Unternehmen und dessen Entwicklungsmöglichkeiten möglich.

Welche Bedeutung sprechen Sie dem CSR Management zu? Was können Unternehmen damit erreichen?

Ein CSR Management kann erstens für eine umwelt- und sozialverträgliche Produktion sorgen und zweitens, was nach meiner Ansicht viel wichtiger ist, Nachhaltigkeitsideen in allen Unternehmensabteilungen und bei ganz vielen Mitarbeiter*innen säen. Das kann dann auf die Unternehmensstrategie und das Kerngeschäft wirken. Da gehört Nachhaltigkeitsmanagement hin, dann wird es spannend.

Viele Unternehmen sehen CSR-Abteilungen in erster Linie als Kostenfaktor. Was sagen Sie dazu?

Wenn die CSR Abteilung nur als Anhängsel betrachtet wird, das wenig mit dem Kerngeschäft zu tun hat, dann sind die Wirkungsmöglichkeiten in der Tat gering. Dann kann es vor allem darum gehen, Lern- und Innovationsprozesse im Unternehmen anzustoßen. Wenn das nicht gewollt wird, dann kann sich das Unternehmen die CSR Abteilung in der Tat sparen – und muss hoffen, dass Kund*innen und Gesellschaft keinen Wert auf gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften legen.

Können Sie ein paar Beispiele dafür geben, wo Ihre Absolventen anschließend tätig sind?

Da wir ein karrierebegleitendes Angebot machen, nutzen die meisten Teilnehmer*innen die Qualifizierung, um sich innerhalb ihrer bisherigen Unternehmen für nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeitsmanagement einzusetzen. Sie wirken in Arbeitsgruppen zum Thema mit, erstellen eine Gemeinwohlbilanz, kümmern sich um das Schadstoffmanagement etc. Vor kurzem erzählte mir eine Teilnehmerin, dass ihre Vorgesetzten sie nach den Inhalten ihres Weiterbildungsstudiums gefragt hätten. Grund dafür war, dass das kommunale Unternehmen den politischen Auftrag erhielt, sich für Nachhaltigkeit zu engagieren. Da ist unsere Teilnehmerin jetzt eine gefragte Expertin, die weiß, wie man vorgehen kann, um eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, vor denen Unternehmen im CSR Management aktuell stehen?

Nachhaltige Entwicklung ist häufig ein öffentliches Gut. Wer es bereitstellt, wird dafür keine zahlungskräftige Nachfrage finden. Unternehmen können kurzfristig keinen großen Profit mit dem Thema machen und die Kund*innen sind meist nicht bereit, dafür (mehr) zu bezahlen. Und der Staat hält sich mit Regelungen zurück, die externe Kosten bzw. die wahren Kosten in die Marktpreise integrieren. Manchmal klappt es schon, wenn z.B. die Nachfrage nach erneuerbaren Energien staatlich geregelt und dadurch eine Nachfrage geschaffen wird. Langfristig jedoch werden alle davon profitieren, wenn wir schonen mit der Ressourcen- und Produktionsbasis umgehen, Unternehmen, Kund*innen und die Gesellschaft insgesamt.

Müssten viel mehr CSR-Manager und Nachhaltigkeitsbeauftragte in deutschen Unternehmen Veränderungsprozesse anstoßen?

Ja, unbedingt. Sie werden dafür nicht immer einen weitreichenden Auftrag bekommen. Dann sollten sie sich im Unternehmen und im Umfeld Verbündete suchen, und beharrlich an großen Zielen wie der Nachhaltigkeitstransformation arbeiten. Das wird sich nicht immer rechnen, jedenfalls nicht sofort. Aber ein systematischer Blick über den Tellerrand kann das Unternehmen langfristig handlungs- und entwicklungsfähig halten.

 



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